Irans Streitkräfte haben erstmals seit dem vorläufigen Stopp der US-Angriffe mehrere ballistische Raketen auf amerikanische Truppen im Nahen Osten abgefeuert. Das US-Regionalkommando Centcom meldete auf X, alle Geschosse seien bei dem “versuchten Überraschungsangriff” abgefangen worden. Jordaniens Streitkräfte präzisierten: Fünf Raketen aus dem Iran wurden abgefangen. Einem Bericht des Nachrichtenportals Axios zufolge galt der Angriff einem US-Stützpunkt in Jordanien.
Erster Angriff ohne vorherige Provokation
Iran-Experte Hamidreza Azizi wies auf X auf etwas Bemerkenswertes hin. Seiner Einschätzung nach sei es das erste Mal gewesen, dass der Iran angegriffen habe, ohne zuvor selbst von den USA oder Israel attackiert worden zu sein. Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Der Angriff fiel genau auf den Tag, an dem Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Weißen Haus bei Trump vorstellig wurde. In Medienberichten hatte es zuvor geheißen, Netanjahu könnte Trump um Zustimmung zu neuen Angriffen auf iranisches Territorium bitten. Der Raketenangriff dürfte demnach als Warnung an Washington gedacht gewesen sein, sich keiner neuen Militärkampagne gegen den Iran anzuschließen.
Trump lobt Gespräche, Details bleiben im Dunkeln
US-Präsident Donald Trump äußerte sich am Dienstagabend positiv über seine Gespräche mit Netanjahu und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. “Selbstverständlich wurden viele wichtige Themen besprochen”, schrieb Trump zu dem Treffen mit Netanjahu. Konkrete Inhalte nannte er nicht. Netanjahu selbst bezeichnete das Treffen im Fox-News-Interview als “eines der besten Treffen, die wir je hatten”, ebenfalls ohne Details zu nennen. Für Israel war es der erste Besuch in Washington seit Beginn des Iran-Kriegs. Laut Medienberichten dürften Trump und Netanjahu dabei unterschiedliche Positionen eingenommen haben. Israel soll den Krieg fortsetzen wollen, während Trump auf Diplomatie drängt.
Ukraine bekommt Patriot-Lizenz
Bei dem Treffen mit Selenskyj stand die ukrainische Flugabwehr im Mittelpunkt. Trump soll der Ukraine die Lizenzen zur eigenen Herstellung von Patriot-Abfangraketen zugesagt haben. “Er hat zugesagt, uns die Lizenzen zu erteilen”, bestätigte Selenskyj im Fox-News-Interview. Die Patriot-Systeme gelten als einziges wirksames Mittel der Ukraine gegen Russlands ballistische Raketen. Schon im Frühjahr beklagte Selenskyj akuten Munitionsmangel, und der US-Krieg gegen den Iran hatte die ohnehin knappen weltweiten Bestände dieser Abwehrraketen weiter verringert. Selenskyj traf sich im Anschluss an die Gedenkfeier für Senator Lindsey Graham auch mit mehr als 60 Senatoren beider Parteien. Im Mittelpunkt standen nach seinen eigenen Angaben die ballistische Abwehr und weitere Unterstützung für die Ukraine.
Neues Sanktionsgesetz gegen Russland nimmt Fahrt auf
Am Abend machten die US-Senatoren erste Schritte zur Verabschiedung eines umfassenden Sanktionsgesetzes gegen Russland. Bei einer vorbereitenden Abstimmung stimmten 86 Senatoren dafür, 12 dagegen. Das Gesetz, das maßgeblich von Graham vorangetrieben worden war, ermächtigt den US-Präsidenten, die größten Käufer von russischem Öl und Gas mit Sanktionen zu belegen sowie Länder, die Russland beim Umgehen von Energiesanktionen helfen. Besonders China und Indien wären betroffen, beide wichtige Abnehmer russischen Erdöls. Medienberichten zufolge könnte das Gesetz noch diese Woche im Senat verabschiedet werden. Da das Repräsentantenhaus bereits in den Ferien ist, dürfte eine Abstimmung dort frühestens im September folgen.
Was bedeutet das für die Börse?
Meiner Meinung nach ist die geopolitische Lage gerade für Anleger in mehreren Sektoren hochrelevant. Der Raketenangriff des Irans dürfte die Risikoprämien an den Ölmärkten weiter erhöhen. Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin, die Patriot-Systeme herstellen, könnten von der zugesagten Lizenzerteilung und dem generell steigenden Bedarf an Flugabwehrtechnologie profitieren. Auch das geplante Sanktionsgesetz gegen Russland verdient Aufmerksamkeit. Sollte es noch diese Woche den Senat passieren, könnte das den Druck auf Energiekonzerne erhöhen, die bislang indirekt von russischen Ölströmen profitieren, und die Handelsbeziehungen zu China weiter belasten. Vor diesem Hintergrund bleibt die Unsicherheit an den Märkten hoch. Ich sehe das als ein klares Signal, dass geopolitische Risikofaktoren in der Portfolio-Bewertung derzeit stark gewichtet werden sollten.
Quelle: dpa-AFX























