Rohöl kommt nicht zur Ruhe. Brent-Öl verlor am Montagmorgen 1,75 Prozent auf 102,05 US$ pro Barrel, damit war es bereits der vierte Handelstag in Folge mit Verlusten. Im Mittelpunkt des Marktgeschehens stehen vor allem die diplomatischen Fäden rund um einen möglichen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran, die die Marktteilnehmer genau beobachten.
Geopolitik drückt auf den Preis
Die Lage bleibt unübersichtlich. Im Jemen kämpfen die Huthi-Miliz und die international anerkannte Regierung weiterhin erbittert gegeneinander, ein Ende ist nicht absehbar. In Washington hat US-Präsident Donald Trump gleichzeitig ein weitreichendes Sanktionsgesetz unterzeichnet, das das Parlament zuvor verabschiedet hatte. Das Paket richtet sich gegen russische Politiker und Firmen, sieht aber auch direkte Sanktionen gegen russische Öl- und Gas-Exporte vor, mit denen Russland seinen Angriffskrieg finanziert. Das ist politisch bedeutsam, denn Energielieferungen sind das Rückgrat der russischen Kriegskasse.
Dazu kommt ein mögliches Treffen zwischen Trump und dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian am Rande der UN-Generalversammlung in New York, das Trump gegenüber dem Sender Fox News als “wahrscheinlich” bezeichnete. Treffen soll er dort auch Chinas Staatschef Xi Jinping, ein Gipfeltreffen steht an. Gespräche mit Vertretern der Golfstaaten sind ebenfalls im Raum.
Entspannung an der Angebotsseite
Xuyi Zhao, leitende Ölanalystin bei Guotai Junan Futures, brachte es gegenüber Bloomberg auf den Punkt. Der Markt wechsle gerade von einer Phase sich verschlechternder Versorgungslage in eine Phase, in der das Schlimmste der Verknappung möglicherweise vorbei ist. Dennoch erwartet sie, dass sich der Brent-Preis um die Marke von 100 US$ einpendeln dürfte, da die Voraussetzungen für einen anhaltenden Abwärtstrend noch nicht gegeben seien.
Was bedeutet das für Ölaktien
Meiner Meinung nach sind es genau solche Phasen, in denen sich Anleger leicht vertun. Der Preisdruck auf Brent ist real, vier rote Tage in Folge sprechen eine deutliche Sprache. Gleichzeitig hält das geopolitische Umfeld genug Zündstoff bereit, der schnell für eine Gegenbewegung sorgen kann. Öl- und Gasunternehmen wie Shell, BP oder TotalEnergies reagieren in der Regel sensibel auf solche Preisbewegungen, weil ihre Margen direkt am Ölpreis hängen. Bleibt Brent unter Druck und pendelt sich tatsächlich um die 100 US$ ein, dürfte das kurzfristig auf die Aktienkurse dieser Konzerne drücken. Für ein mittelfristiges Kaufsignal fehlen mir aktuell die Argumente.
Quelle: dpa-AFX






















