Am vierten Verhandlungstag im Prozess um den Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines rückt die Frage in den Vordergrund, was die Explosion konkret für die Gasversorgung in Deutschland bedeutet hat. Ein Vertreter der Bundesnetzagentur soll heute um 9.30 Uhr als Zeuge aussagen, um genau das zu beleuchten: wie die Versorgungslage vor dem Anschlag war und was danach davon übrig blieb.
Die Segeljacht “Andromeda” im Fokus
Für den Nachmittag ist ein weiterer BKA-Beamter geladen. Er soll sich zur Durchsuchung der Segeljacht “Andromeda” äußern, die die Ermittler als Transportmittel der Saboteure zum Tatort identifiziert haben. Der liegt südlich der dänischen Insel Bornholm, in rund 80 Metern Tiefe auf dem Grund der Ostsee. Genau dort detonierten am 26. September 2022 mehrere Sprengsätze. Vier Lecks, drei betroffene Leitungen, zwei Pipelines massiv beschädigt. Nord Stream 1 und Nord Stream 2 wurden an diesem Tag faktisch ausgeschaltet.
Ein ehemaliger Spezialeinheitsoffizier auf der Anklagebank
Der Angeklagte Serhij Kusnjezow war früher Offizier einer ukrainischen Spezialeinheit. Der Generalbundesanwalt wirft dem 50-Jährigen vor, der Drahtzieher hinter der Sprengung gewesen zu sein, gemeinsam mit sechs weiteren Tätern. Die Anklageschrift ist schwerwiegend: Kriegsverbrechen durch den Einsatz verbotener Kriegsführungsmethoden gegen zivile Objekte, dazu das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, die Zerstörung von Bauwerken und die Störung öffentlicher Betriebe. Das ist ein ganzes Bündel an Vorwürfen, das den Angeklagten auf Jahre beschäftigen dürfte.
Was das für Aktien und Energiemärkte bedeuten könnte
Meiner Meinung nach ist der Prozess weit mehr als ein juristisches Ereignis. Die Frage, wer hinter dem Anschlag steckt und wie weit staatliche Strukturen verwickelt waren, bleibt in der Schwebe. Für Energieaktien, insbesondere europäische Gas- und Infrastrukturwerte, könnte jedes neue Zeugenaussage und jede neue Erkenntnis aus diesem Verfahren den Blick auf die geopolitischen Risiken schärfen. Die Explosion von 2022 hat gezeigt, wie verletzlich kritische Infrastruktur ist und das dürfte langfristig die Bewertung von Unternehmen beeinflussen, die in diesem Bereich operieren. Ein Freispruch, ein Schuldspruch oder ein Verfahren, das weitere staatliche Akteure in den Fokus rückt, hätten jeweils unterschiedliche Auswirkungen auf das Stimmungsbild an den Märkten. Ich glaube, diesen Prozess sollten Anleger mit Positionen im Energiesektor aufmerksam verfolgen.
Quelle: dpa-AFX























