Illegaler Goldabbau im Amazonas ist kein Randproblem mehr. Laut einem aktuellen Bericht des brasilianischen Forschungsinstituts für Umweltfragen im Amazonasgebiet (IPAM) sind indigene Gebiete davon überproportional stark betroffen, und das Ausmaß der Entwicklung ist schlicht erschreckend. Meiner Meinung nach unterschätzen viele Anleger, welche langfristigen regulatorischen und wirtschaftlichen Konsequenzen sich daraus ergeben könnten.
Flächenexplosion seit 1985
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Im Jahr 2024 waren die von Goldsuchern besetzten Flächen im Amazonasgebiet 20-mal so groß wie noch 1985. In indigenen Gebieten fällt die Bilanz noch drastischer aus, dort vergrößerte sich die betroffene Fläche sogar um das 24-Fache. Das ist kein schleichender Prozess mehr, das ist eine unkontrollierte Ausbreitung.
Dabei betont Co-Autor Ray Pinheiro einen wichtigen Punkt. Wenn Goldschürfen und klimatische Extreme dieselben Gebiete treffen, verstärken sich die Auswirkungen gegenseitig. Dürre beeinträchtigt den Zugang zu Wasser, die Mobilität und die Nahrungsmittelproduktion. Kommt dann noch der Druck durch den Goldabbau auf dasselbe Wassersystem hinzu, verschärfen sich die Folgen erheblich.
Quecksilber verseucht die Wassereinzugsgebiete
Zur Trennung von Gold und Erz wird häufig Quecksilber eingesetzt. Das vergiftet Gewässer, mit gravierenden Folgen für Mensch, Tier und Pflanze. Und der Bericht macht klar: Die Verschmutzung macht an den Grenzen indigener Gebiete nicht halt. Sie breitet sich über die Wassereinzugsgebiete aus und verstärkt die Wirkung von Dürren, Bränden und Überschwemmungen in der gesamten Region. Goldabbau muss also gar nicht direkt auf indigenem Territorium stattfinden, um dort Leben und Gesundheit zu gefährden.
Das IPAM empfiehlt deshalb einen stärkeren Schutz indigener Gebiete sowie die konsequente Umsetzung von Anpassungsplänen. Ob und wann die brasilianische Politik das ernst nimmt, bleibt abzuwarten.
Was bedeutet das für Goldaktien und den Rohstoffsektor?
Für Anleger im Goldsektor könnten diese Erkenntnisse mittelfristig relevant werden. Brasilien ist ein bedeutender Goldproduzent, und eine verschärfte Regulierung des Amazonas-Bergbaus, ausgelöst durch wachsenden internationalen Druck sowie ESG-Anforderungen institutioneller Investoren, dürfte die Förderkosten treiben und Expansionspläne einzelner Minenunternehmen erschweren. Aktien von Produzenten mit hohem Brasilien-Exposure könnten unter Druck geraten, sobald konkrete Gesetzesinitiativen in Brasília Fahrt aufnehmen. Meiner Überzeugung nach sollten Anleger das Thema Umweltregulierung in Schwellenländern bei der Auswahl von Rohstoffaktien stärker gewichten, als es heute viele tun.
Quelle: dpa-AFX























