Gold macht weiter Boden gut. Heute notierte eine Feinunze bei 4.180 US$, ein leichtes Plus gegenüber dem Vortag. Damit ist das Edelmetall fast wieder dort angekommen, wo die Woche begann, als die Notierung noch über 4.200 US$ lag.

Zinsspekulationen drückten Gold kurz auf 4.073 US$

Zur Wochenmitte hatte der Goldpreis spürbar nachgegeben. Überraschend hohe Inflationsdaten aus den USA ließen viele Marktteilnehmer auf weitere Zinserhöhungen durch die Fed spekulieren, Staatsanleihen wurden vorübergehend bevorzugt, und da Gold nun mal keine Zinsen abwirft, geriet das Edelmetall unter Druck. Auf bis zu 4.073 US$ fiel der Preis. Commerzbank-Rohstoffexpertin Thu Lan Nguyen beschreibt das als logische Reaktion auf veränderte Zinserwartungen, meiner Meinung nach aber auch als typische Überreaktion des Marktes auf einzelne Datenpunkte.

Ab Donnerstag drehte die Stimmung. Rasch. Und Gold holte die Verluste ebenso schnell wieder auf.

Warsh dämpft die Erwartungen an rasche Zinserhöhungen

Entscheidend war der Auftritt von Fed-Chef Kevin Warsh beim IWF-Treffen in Bangkok. Seine Aussagen wurden von Marktbeobachtern eindeutig als Signal gewertet, dass die Fed die Zinsen im Oktober vorerst nicht weiter anheben dürfte. Gerald Gan, Anlagestratege bei Reed Capital Partners, formuliert es so, dass Warsh gezielt versucht habe, die auf straffe Geldpolitik ausgerichteten Zinserwartungen zu dämpfen und ein Stück Stabilität am Anleihemarkt zurückzubringen. Trotz anhaltender Inflationssorgen bestehe nach Warshs aktuellem Tonfall keine Eile, die Zinsen in schneller Folge weiter anzuheben.

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Für Gold ist das eine gute Nachricht. Zumindest kurzfristig.

Das große Bild: Noch immer weit weg vom Rekordhoch

Ende Januar hatte Gold bei über 5.400 US$ je Feinunze ein Rekordhoch markiert. Seitdem ist der Trend tendenziell abwärts gerichtet, auch wenn es zwischenzeitlich immer wieder Erholungsphasen gab. Gemessen am Rekordhoch hat das Edelmetall mittlerweile rund ein Viertel seines Wertes eingebüßt. Das ist kein kleiner Rücksetzer, das ist ein substanzieller Trendbruch.

Was bedeutet das für Gold-Aktien und Minen

Für Anleger, die über Goldminen-Aktien oder Gold-ETFs engagiert sind, dürfte die aktuelle Erholung zwar etwas Luft verschaffen, strukturell bleibt das Bild aber schwierig. Solange der Goldpreis deutlich unter dem Januar-Hoch bei über 5.400 US$ liegt und die Zinsdebatte in den USA nicht abgeschlossen ist, bliebe das Aufwärtspotenzial begrenzt. Meiner Meinung nach wäre eine nachhaltige Rückkehr über die Marke von 4.200 US$ nötig, um charttechnisch wieder Boden gutzumachen. Bis dahin dürfte der Goldmarkt volatil bleiben, geprägt von Spekulationen rund um die nächsten Fed-Entscheidungen. Wer auf steigende Kurse setzt, sollte das mit einem klaren Blick auf das Zinsszenario tun.

Quelle: dpa-AFX