Saudi-Arabiens wichtigste Ölpipeline steht seit kurzem still. Drohnenangriffe haben die sogenannte Ost-West-Pipeline getroffen, die nach Angaben des saudischen Außenministeriums aus dem Irak gestartet wurden. Dabei wurden Schäden verursacht und mehrere Menschen verletzt. US-Energieminister Chris Wright zeigte sich im Gespräch mit dem Sender CNBC dennoch zuversichtlich und erklärte, die Unterbrechung werde sich “in Tagen bemessen” und die Pipeline “sehr bald” wieder hochfahren.

Eine Pipeline, die alles entscheidet

Was viele nicht wissen: Diese mehr als 1.200 Kilometer lange Röhre ist für Saudi-Arabien schlicht unersetzlich. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Roten Meer und kann täglich bis zu sieben Millionen Barrel Öl transportieren, wobei ein Barrel 159 Liter entspricht. Damit umgeht das Königreich die Straße von Hormus, die seit Beginn des Iran-Kriegs zunehmend gefährlich geworden ist. Iranische Drohungen und Angriffe auf Schiffe haben diese für den globalen Ölhandel so wichtige Meerenge faktisch blockiert. Die Pipeline war bislang das Ventil, das einen noch schlimmeren Einbruch der saudischen Ölexporte verhinderte.

Auch der Ausweichweg gerät in Gefahr

Doch selbst wenn die Pipeline schnell wieder läuft, ist das Bild alles andere als beruhigend. Die Alternative, nämlich die Verschiffung über das Rote Meer durch die Meerenge Bab al-Mandab in Richtung Asien, ist inzwischen ebenfalls bedroht. Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen haben nach Angaben jemenitischer Regierungsquellen die gesamte Küste des Roten Meers im Jemen und strategisch wichtige Inseln eingenommen. Das verschafft den Huthis deutlich mehr Kontrolle über Bab al-Mandab. Saudi-Arabien verliert damit Schritt für Schritt seine Ausweichmöglichkeiten.

Was das für Ölaktien bedeutet

Meiner Meinung nach ist diese Nachricht für den Ölmarkt mittelfristig bullisch. Solange beide Exportrouten unter Druck stehen, bleibt das globale Angebot angespannt. Fallen täglich mehrere Millionen Barrel aus oder müssen aufwendigere Umwege genommen werden, dürfte der Ölpreis weiter erhöht bleiben. Das käme Ölproduzenten wie Saudi Aramco zugute, aber auch westlichen Majors wie ExxonMobil oder Shell, deren Aktien in einem solchen Szenario weiteres Aufwärtspotenzial hätten. Für Raffinerien und energieintensive Industrien wäre es hingegen eine zusätzliche Belastung. Die Lage am Roten Meer bleibt das entscheidende Risiko, das den Markt in den kommenden Wochen beschäftigen dürfte.

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Quelle: dpa-AFX