Zentralbanken kaufen Gold, und sie tun es mit wachsendem Appetit. Im dritten Quartal erwarben Notenbanken weltweit 321 Tonnen des Edelmetalls, wie der World Gold Council (WGC) in seinem aktuellen Quartalsbericht festhält. Das liegt deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre, und im Vergleich zum dritten Quartal 2025 legte das Volumen um satte 42 Prozent zu. Zu Beginn des Jahres war die Nachfrage noch verhalten, im zweiten und dritten Quartal hat sie das aber mehr als aufgeholt.
Warum Notenbanken massenhaft Gold horten
Der wichtigste Antrieb dahinter ist die Entdollarisierung. Zentralbanken, vor allem aus Schwellenländern, wollen ihre Reserven unabhängiger vom US$ machen, und Gold ist das Mittel der Wahl. Dazu kommen geopolitische Erschütterungen: Das Einfrieren russischer Vermögenswerte nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine hat vielen Notenbanken gezeigt, wie verwundbar Dollar-Reserven in Krisenzeiten sein können. Gold gilt als sicherer Hafen, der sich dem Zugriff anderer Staaten entzieht.
Ein weiterer Faktor ist das erschütterte Vertrauen in die Fed. Die Angriffe von US-Präsident Donald Trump auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank haben Zweifel gesät, ob die Fed noch wirklich frei agieren kann. Das schwächt die Attraktivität von Dollar-Reserven und macht Gold als Alternative interessanter.
Privatanleger ziehen sich zurück
Was Notenbanken kaufen, verkaufen Privatanleger gewissermaßen mit ihrem Desinteresse. Die weltweite Nachfrage nach Barren und Münzen lag im dritten Quartal bei 267,8 Tonnen, ein Rückgang von 19 Prozent im Jahresvergleich. Auch goldhinterlegte Wertpapiere verloren an Beliebtheit, mit einem Minus von sechs Prozent auf 211,2 Tonnen. Interessant dabei: In China stieg die Nachfrage nach physischem Gold, in Indien brach sie dagegen deutlich ein.
Was das für die Goldaktien bedeutet
Der Goldpreis selbst sendet ein zwiegespaltenes Signal. Anfang des Jahres erreichte eine Feinunze ein Rekordhoch von knapp 5.600 US$, inzwischen notiert Gold bei rund 3.947 US$ und damit etwa 30 Prozent unter diesem Jahreshoch. Meiner Meinung nach ist dieser Rückgang weniger ein Zeichen schwindender Nachfrage als vielmehr eine Konsolidierung auf hohem Niveau. Das starke Kaufverhalten der Notenbanken dürfte den Preisdruck mittelfristig begrenzen und Goldproduzenten wie Barrick Gold oder Newmont eine solide Nachfragebasis liefern. Ob das für einen neuen Kursanstieg reicht, hängt davon ab, wie sich die geopolitischen Spannungen und das Vertrauen in den US$ weiterentwickeln würden. Für Aktionäre von Goldminenbetreibern bleibt das Umfeld damit grundsätzlich interessant, auch wenn kurzfristig Gegenwind durch den gefallenen Goldpreis bestehen dürfte.
Quelle: dpa-AFX























