Im Nahen Osten spitzt sich die Lage weiter zu. In der Nacht haben vom Iran unterstützte Huthi-Kämpfer saudi-arabisches Gebiet beschossen und dabei mindestens elf Zivilisten verletzt, darunter sieben saudi-arabische Staatsbürger, die in der Region Nadschran unter anderem Verbrennungen erlitten. Zwei ägyptische Staatsbürger sowie jeweils einer aus Pakistan und dem Jemen wurden ebenfalls getroffen. Koalitionssprecher Turki al-Maliki bestätigte die Angriffe auf der Plattform X.
Straße von Hormus: Einigung in Sicht?
US-Präsident Donald Trump gibt sich zuversichtlich. Er geht davon aus, dass der Iran-Krieg “ziemlich bald” enden und eine Lösung für die blockierte Straße von Hormus bevorstehen könnte. Im Oval Office sagte er vor Reportern, er glaube nicht, dass der Iran noch lange durchhalten könne. Unabhängig von Washington haben der Iran und der Oman bereits bekanntgegeben, kurz vor einer Einigung zu stehen. Der Iran soll dabei eine Rundkurs-Lösung ins Spiel gebracht haben: Schiffe sollen auf einer nördlichen Route in den Persischen Golf einfahren und ihn auf einer südlichen Route entlang der omanischen Küste wieder verlassen. Nach Angaben des Weißen Hauses sollen alle temporären Routen gebührenfrei und ohne Genehmigungspflicht befahrbar sein. Das wäre ein bedeutender Schritt, denn die Meerenge ist normalerweise eine der wichtigsten Exportrouten für Öl und Flüssiggas aus den Golfstaaten.
Manche Experten sehen das anders. Sie vermuten, dass den USA vor einer Einigung selbst die Puste ausgehen könnte, weil die hohen Kriegskosten für Trumps Regierung innenpolitisch und wirtschaftlich belasten, besonders mit Blick auf die wichtigen Parlamentswahlen im November.
Saudi-Arabien rechnet mit koordinierten Angriffen
Während Trump auf Entspannung hofft, bereitet sich Saudi-Arabien auf das Gegenteil vor. Berichten zufolge, auf die sich unter anderem CNN mit Verweis auf einen saudi-arabischen Beamten und Geheimdienstberichte aus den USA sowie anderen Ländern der Region bezog, planen irakische Milizen gemeinsam mit Huthi-Rebellen “in sehr naher Zukunft” koordinierte Angriffe auf den Golfstaat, unter Anleitung der iranischen Revolutionsgarden. Potenzielle Ziele sollen überwiegend zivile und wirtschaftliche Einrichtungen sein, darunter Energieanlagen, Häfen und Flughäfen. Damit sollen laut dem zitierten Beamten Fortschritte in den Verhandlungen zur Beendigung des Iran-Kriegs sabotiert werden.
Der Hintergrund ist komplex. Saudi-Arabien und die Huthi-Miliz befinden sich seit mehr als zehn Jahren im Krieg. 2022 trat eine Waffenruhe in Kraft, kleinere Gefechte gab es aber weiterhin. Vor einigen Wochen eskalierten die Kämpfe erneut, mit Luftangriffen auf die jemenitische Hauptstadt Sanaa. Am Donnerstag wurden bei Huthi-Angriffen auf Militäreinrichtungen in den jemenitischen Provinzen Marib und Hadramaut erneut Menschen getötet und verletzt.
Erdogan und Sharif in Riad
Heute wird der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zu Gesprächen in Saudi-Arabien erwartet. Auf dem Programm steht unter anderem ein Treffen mit Kronprinz Mohammed bin Salman sowie mit dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif. Laut regionalen Quellen soll dabei eine gemeinsame Verteidigungsvereinbarung unterzeichnet werden. Beide Länder bemühen sich um Vermittlung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran, Pakistan versucht konkret, beide Seiten zur Wiederaufnahme von Verhandlungen zu bewegen.
Was bedeutet das für Öl und die Märkte?
Meiner Meinung nach ist das hier keine abstrakte Geopolitik, sondern ein handfestes Marktrisiko. Sollten die angekündigten Angriffe auf saudi-arabische Energieanlagen und Häfen tatsächlich stattfinden, dürften die Ölpreise sprunghaft reagieren, denn Saudi-Arabien gehört zu den größten Ölproduzenten der Welt. Ich glaube, dass Unternehmen wie ExxonMobil, Shell oder BP kurzfristig profitieren könnten, während energieintensive Sektoren unter steigenden Rohstoffkosten leiden dürften. Die Straße von Hormus bleibt dabei der entscheidende Faktor, denn solange dort keine belastbare Lösung steht, dürfte die Unsicherheit an den Märkten bestehen bleiben. Ob Trumps Zuversicht berechtigt ist oder die Eskalation durch Saudi-Arabien das letzte Wort hat, wäre die entscheidende Frage für die weiteren Wochen.
Quelle: dpa-AFX























