Trump sprach Mitte Juni noch davon, die Welt stehe nur wenige Wochen vor ernsthaften Energieversorgungsproblemen. Dass er das überhaupt weiß, überrascht mich ehrlich gesagt mehr als die Tatsache, dass es ihm vermutlich ziemlich egal ist.
Die Märkte dösen in einem naiven Halbschlaf vor sich hin. Nur wenn der Iran mal wieder ein Schiff in der Straße von Hormus stoppt oder die USA irgendetwas im Iran bombardieren, schrecken sie kurz auf. So läuft das inzwischen.
Niedrige Vorräte machen den Markt nervös
Die Inventarsituation ist kritisch. Weltweit liegen die Energievorräte auf historisch niedrigem Niveau, nachdem in den vergangenen Monaten außergewöhnlich starke Lagerabbauten verzeichnet wurden. Kleinere Angebotsstörungen führen in so einem Umfeld zu überproportionalen Preisreaktionen. Selbst wenn der Konflikt tatsächlich beigelegt wird, braucht die Normalisierung des Öl- und Gasverkehrs durch Hormus Zeit. Die logistische Rückführung der weltweiten Tankerflotte dauert etwa zwei Monate. Im besten Fall kommen 70 bis 80 Prozent der ausgefallenen Förderkapazitäten wieder ans Netz. Und von diesem Best Case sind wir weit entfernt.
Der globale Energiemarkt steht am Beginn einer neuen Phase. Politische Verhandlungen, geopolitische Risiken und strukturelle Veränderungen entscheiden künftig langfristig über Angebot, Preise und Investitionen.
Fast doppelt so viel Angebotsausfall wie bei Corona
Historisch betrachtet ist die jüngste Angebotskrise außergewöhnlich. Während der Pandemie brach die weltweite Energienachfrage zeitweise um rund 8 bis 9 Prozent ein. Im aktuellen Konflikt gingen zeitweise 15 bis 17 Prozent des globalen Ölangebots verloren. Ohne strategische Ölreserven wäre das kaum abzufedern gewesen. Erstaunlich ist, wie widerstandsfähig sich die Weltwirtschaft trotz dieser Belastung zeigte. Die Nachfrage nach Flugtreibstoff blieb robust, der Benzinverbrauch in vielen Regionen stabil. Bei der aktuellen Ausgangslage der Lagerbestände würde eine längere Unterbrechung der Versorgung jedoch erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen.
Versorgungssicherheit wird zur Chefsache
Langfristig stehen tiefgreifende Veränderungen im globalen Energiesystem an. Der aktuelle Konflikt ist bereits der vierte große Angebotsschock innerhalb dieses Jahrzehnts nach Corona, dem russischen Angriff auf die Ukraine und den Trump-Zöllen. Versorgungssicherheit gewinnt weltweit höchste Priorität. Staaten werden verstärkt in strategische Öl- und Gaslager, neue Förderkapazitäten, Kernenergie, erneuerbare Energien sowie zusätzliche Speicher investieren müssen. Gleichzeitig dürfte der Ausbau kritischer Infrastruktur wie Pipelines oder alternativer Exportwege beschleunigt werden, um die Abhängigkeit von geopolitischen Engpässen wie der Straße von Hormus zu reduzieren.
China zeigt, wie es funktionieren kann. Trotz seiner Rolle als großer Energieimporteur bewältigte das Land die Krise dank umfangreicher strategischer Reserven und einer konsequenten Elektrifizierung des Verkehrssektors vergleichsweise gut. Allerdings sind solche Investitionen kapitalintensiv und werden vor allem wohlhabenden Volkswirtschaften offenstehen.
Drei Rohstoff-Fresser treffen aufeinander
Ein weiterer struktureller Nachfragefaktor ist der weltweite Boom rund um KI. Derzeit treffen drei außergewöhnlich rohstoffintensive Investitionszyklen aufeinander. Der Ausbau militärischer Kapazitäten, der KI- und Rechenzentrumsboom sowie die Energiewende. Alle drei Bereiche erfordern enorme Mengen an Energie, Metallen und Infrastruktur. Besonders der Ausbau von Stromnetzen, Batteriespeichern, Rechenzentren und Kernkraftwerken dürfte den Rohstoffbedarf über viele Jahre hinweg auf einem hohen Niveau halten. Diese Entwicklung erinnert an die 1970er-Jahre, als mehrere Ölkrisen einen jahrzehntelangen Investitionsboom im Energiesektor auslösten.
Superzyklus bei Metallen, Öl und Gold
Besonders positiv erscheint der langfristige Ausblick für Industriemetalle. Der Bergbausektor investiert derzeit so wenig in neue Projekte wie seit rund 40 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig wächst der Kapitalbedarf durch KI, Elektrifizierung und Infrastrukturinvestitionen stetig weiter. Diese Kombination aus strukturell steigender Nachfrage und schwachem Angebotswachstum spricht für anhaltend attraktive Preisentwicklungen bei zahlreichen Metallen.
Auch für den Ölmarkt bleibt das Bild konstruktiv. Zwar breitet sich die Elektromobilität weltweit aus und das Nachfragewachstum verlangsamt sich, doch der globale Ölverbrauch steigt weiterhin jedes Jahr an. Selbst die Internationale Energieagentur musste ihre Nachfrageprognosen in den vergangenen Jahren mehrfach nach oben korrigieren. Der Markt bleibt auf kontinuierliche Investitionen in neue Förderkapazitäten angewiesen, um den steigenden Bedarf decken zu können.
Gold hat erneut seine Rolle als Krisenindikator bestätigt. Das Edelmetall steigt häufig bereits vor einer Krise deutlich an und konsolidiert anschließend während der eigentlichen Ereignisse. Die langfristigen Fundamentaldaten bleiben jedoch positiv. Zentralbanken kaufen weiterhin im Rekordtempo Goldreserven auf, was den strukturellen Aufwärtstrend stützt. Kurzfristige Rückschläge sind nichts als ein Ausdruck übertriebener Gewinnmitnahmen.
Fazit
Rohstoffe bleiben eine der attraktivsten Anlageklassen in einem Umfeld geopolitischer Unsicherheit, hoher Inflation und struktureller Investitionszyklen. Sie bieten nicht nur Diversifikation gegenüber Aktien, sondern profitieren gleichzeitig von langfristigen Trends wie KI, Energiewende, Versorgungssicherheit und steigenden Infrastrukturinvestitionen. Besonders Metalle, Gold und ausgewählte Energierohstoffe dürften deshalb auch in den kommenden Jahren zu den wichtigsten Gewinnern der globalen Neuausrichtung des Energiesystems zählen.
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