Das US-Militär hat heute gleich zwei Angriffswellen gegen den Iran gestartet und dabei auch einen Öltanker angegriffen, der auf dem Weg zu einem iranischen Hafen war. Eine diplomatische Lösung rückt damit spürbar weiter in die Ferne. Gleichzeitig sendete US-Präsident Donald Trump widersprüchliche Signale: Erst drohte er mit der Zerstörung ziviler Infrastruktur, dann schlug er versöhnliche Töne an, nachdem der Iran einer inhaftierten US-Bürgerin die Ausreise erlaubt hatte.

Zwei Angriffswellen, zahlreiche Ziele

Die zweite Angriffswelle des Tages begann um 15.00 US-Ostküstenzeit und dauerte sechs Stunden. Das für die Region zuständige US-Militärkommando Centcom meldete Treffer auf Kommandozentren, Flugabwehrstellungen und weitere militärische Anlagen. Getroffen wurden Ziele unter anderem in Bandar Abbas am Persischen Golf, in der Hafenstadt Tschabahar sowie in Rask im äußersten Südosten des Landes. Vier Ortschaften am Rande von Ahwas sollen ebenfalls attackiert worden sein. Das Ziel laut US-Militär: die Fähigkeit des Irans einzuschränken, Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu bedrohen.

Kurz nach Beginn der neuen Angriffswelle heulten in Kuwait und Bahrain die Sirenen. Die kuwaitische Armee gab an, vier Marschflugkörper und 21 Drohnen abgefangen zu haben. In Bahrain wurde die Bevölkerung aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Auch Jordanien meldete erneuten Beschuss, acht iranische Raketen wurden über jordanischem Staatsgebiet abgefangen, ohne Schäden oder Verletzte zu hinterlassen. Beide Golfstaaten beherbergen US-Militärstützpunkte und sind wiederholt Ziel iranischer Vergeltungsangriffe.

Tanker manövrierunfähig gemacht

Parallel zur Luftkampagne setzt das US-Militär seit Dienstag auch wieder eine Seeblockade gegen iranische Häfen durch. Innerhalb der ersten 24 Stunden wurden zwei Handelsschiffe umgeleitet. Heute griff das US-Militär dann einen unbeladenen Öltanker an, der unter der Flagge Curaçaos fuhr und Kurs auf die für Irans Ölindustrie wichtige Insel Charg genommen hatte. Nach ignorierten Warnungen beschoss Centcom den Schornstein des Schiffes mit Raketen und machte es manövrierunfähig. Schon während der ersten Seeblockade ab Mitte April hatte das US-Militär nach eigenen Angaben mehr als 140 Schiffe umgeleitet und neun manövrierunfähig gemacht, ehe die Blockade im Zuge eines Rahmenabkommens Mitte Juni aufgehoben wurde.

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Trumps nächste Schritte

Das Wall Street Journal berichtet unter Berufung auf US-Beamte, dass Trump zu einer Ausweitung des militärischen Vorgehens neige, ohne bisher eine endgültige Entscheidung getroffen zu haben. Im Raum stehen erweiterte Luftangriffe, der Einsatz von Bodentruppen zur Einnahme iranischer Inseln nahe der Straße von Hormus sowie die Bombardierung einer Atomeinrichtung, die als “Pickaxe Mountain” bekannt ist und im Berg Kuh-e Kolang südlich der Nuklearanlage Natans liegt. Im Fox-News-Interview vom Dienstag kündigte Trump heftige Angriffe für die kommenden Nächte an und stellte in den Raum, Kraftwerke und Brücken zu zerstören, es sei denn, die Iraner kämen an den Verhandlungstisch. Auf die Frage nach einem Ultimatum sagte er heute: “Ich mag es nicht, Fristen zu setzen.”

UN-Generalsekretär António Guterres mahnte zur Deeskalation und warnte vor “katastrophalen Konsequenzen”, sollten die Kampfhandlungen wieder in vollem Umfang aufgenommen werden. Die Georgetown-Journalistin Tara Kangarlou bezweifelt gegenüber Al Jazeera, dass die Seeblockade den Iran wirtschaftlich ernsthaft treffen werde. Über das Kaspische Meer, Pakistan, den Irak, die Türkei und weitere Routen habe der Iran längst Alternativen gefunden, sein Öl zu verkaufen.

Was das für Anleger bedeutet

Meiner Meinung nach ist die Lage für den Ölmarkt und damit für Energieaktien zweischneidig. Einerseits dürften anhaltende Angriffe auf iranische Häfen und ein weiterer Tanker-Angriff in der Straße von Hormus den Ölpreis kurzfristig stützen, da rund 20 Prozent des weltweiten Öldurchsatzes diese Meerenge passieren. Gleichzeitig könnte die Drohung mit weiteren Angriffen auf Kerninfrastruktur des Irans die Risikoprämie im Brent-Preis weiter nach oben treiben. Energiewerte wie die großen Ölmajore dürften davon kurzfristig profitieren. Für Rüstungsaktien wäre eine weitere Eskalation ebenfalls ein Kurstreiber. Die entscheidende Frage bleibt, ob Trump tatsächlich zu einem umfassenden Schlag gegen iranische Atomanlagen bereit wäre, denn ein solcher Schritt würde die gesamte Region in eine neue Dimension des Konflikts katapultieren und die Märkte mit einer Schockwelle treffen, deren Ausmaß kaum zu kalkulieren wäre.
Quelle: dpa-AFX