Nach einer atemberaubenden Rekordjagd hat der Kupferpreis zuletzt erst einmal den Rückwärtsgang eingelegt. Gewinnmitnahmen, ein stärkerer US-Dollar und die Aussicht auf länger hohe Zinsen in den USA sorgten für eine überfällige Verschnaufpause. Doch genau diese Korrektur könnte sich im Nachhinein als attraktive Einstiegschance erweisen. Denn der Preis scheint sich nun an einer charttechnisch entscheidenden Marke zu stabilisieren – und die langfristigen Fundamentaldaten sprechen weiterhin eine klare Sprache.
Technische Korrektur statt Trendwende
Nach einer beeindruckenden Rallye von mehr als 60% seit April 2025 gönnte sich der Kupferpreis zuletzt eine überfällige Verschnaufpause. Auslöser waren vor allem Gewinnmitnahmen, ein zwischenzeitlich stärkerer US-Dollar sowie die Aussicht auf länger hohe US-Zinsen. Der Rücksetzer führte den Preis an der London Metal Exchange (LME) bis in den Bereich von rund 13.200 US$ je Tonne zurück.
Genau dort verläuft die viel beachtete 100-Tage-Linie. Bislang verteidigen die Käufer diese charttechnisch wichtige Unterstützung erfolgreich. Der Preis hat sich auf hohem Niveau stabilisiert und arbeitet sich bereits wieder in Richtung der Rekordstände um 14.000 US$ je Tonne vor. Aus charttechnischer Sicht spricht damit vieles für eine klassische Konsolidierung innerhalb eines intakten Bullenmarktes. Auch auf Wochenbasis zeigt der Trend mit steigenden Hochs und steigenden Tiefs weiterhin klar nach oben.
KI entwickelt sich zum größten Kupfer-Treiber
Der eigentliche Kurstreiber liegt allerdings auf der fundamentalen Seite. Während Elektroautos, Windkraft, Stromnetze und die Energiewende bereits seit Jahren für steigende Nachfrage sorgen, entwickelt sich Künstliche Intelligenz zunehmend zum wichtigsten Wachstumsmotor des Kupfermarktes.
Denn moderne KI-Rechenzentren benötigen weit mehr als leistungsfähige Chips. Für Transformatoren, Stromschienen, Hochleistungskabel, Schaltanlagen, Stromverteiler, USV-Systeme und aufwendige Kühlsysteme werden enorme Mengen Kupfer benötigt. Eine KI-Fabrik mit einer Leistung von einem Gigawatt verschlingt Schätzungen zufolge rund 50.000 Tonnen Kupfer. Bei einem erwarteten jährlichen Ausbau von rund 15 Gigawatt neuer KI-Kapazitäten könnten Rechenzentren allein jedes Jahr zusätzliche 750.000 Tonnen Kupfer nachfragen.
Mindestens genauso bedeutend ist jedoch der notwendige Ausbau der Strominfrastruktur. Die International Energy Agency (IEA) erwartet, dass sich der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 auf rund 945 Terawattstunden nahezu verdoppeln wird.
Goldman Sachs geht davon aus, dass sich der Anteil der Rechenzentren am sommerlichen Spitzenstromverbrauch in den USA bereits bis 2027 auf 8,5% erhöhen könnte. Damit werden Milliardeninvestitionen in Umspannwerke, Transformatoren sowie Übertragungs- und Verteilnetze erforderlich – alles Bereiche mit einer ausgesprochen hohen Kupferintensität.
Entsprechend werden die langfristigen Nachfrageprognosen kontinuierlich nach oben angepasst. S&P Global rechnet damit, dass die weltweite Kupfernachfrage von rund 28 Millionen Tonnen im Jahr 2025 auf etwa 42 Millionen Tonnen bis 2040 steigt.
Allein der Bedarf von Rechenzentren dürfte sich dabei mehr als verdoppeln. BHP erwartet bis 2050 sogar einen Anstieg des Kupferverbrauchs in Rechenzentren auf rund drei Millionen Tonnen jährlich. Angesichts eines globalen Kupfermarktes von lediglich 20 bis 30 Millionen Tonnen pro Jahr reicht dieser zusätzliche Bedarf aus, um das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nachhaltig zu verschieben.
Das Angebot kann kaum Schritt halten
Während die Nachfrage immer neue Rekorde ansteuert, wächst die Angebotsseite nur sehr langsam.
Die Erzgehalte vieler großer Minen sinken seit Jahren kontinuierlich. Gleichzeitig werden neue Lagerstätten immer seltener entdeckt. Selbst wenn heute ein bedeutender Fund gemacht wird, vergehen häufig 15 bis 20 Jahre, bis daraus tatsächlich eine produzierende Mine entsteht.
Genau darin liegt der eigentliche Engpass. Das Angebot reagiert nur äußerst träge auf steigende Preise. Zahlreiche Experten rechnen deshalb ab Anfang der 2030er-Jahre mit einem strukturellen Angebotsdefizit, das sich über viele Jahre hinweg ausweiten könnte.
Parallel nimmt auch die Übernahmeaktivität im Bergbausektor deutlich zu. Vor allem große Produzenten sichern sich hochwertige Kupferprojekte, um sich frühzeitig Zugang zu künftigen Ressourcen zu verschaffen. Das unterstreicht, wie wertvoll attraktive Lagerstätten inzwischen geworden sind.
Anleger setzen weiter auf steigende Preise
Trotz der jüngsten Korrektur bleibt auch die Stimmung institutioneller Investoren bemerkenswert optimistisch. An der COMEX haben Fonds ihre Netto-Long-Positionen zuletzt deutlich ausgebaut. Gleichzeitig zeigt der Optionsmarkt der London Metal Exchange weiterhin aggressive Wetten auf deutlich höhere Kupferpreise bis zum Jahresende.
Der Markt blickt längst über kurzfristige Konjunktursorgen hinaus. Entscheidend bleibt die Erwartung, dass die Kombination aus KI-Boom, Energiewende, Netzausbau und Elektromobilität den Kupferbedarf über viele Jahre schneller wachsen lässt als das globale Angebot.
Fazit: Der Megatrend lebt
Die jüngste Korrektur hat die überhitzte Stimmung am Kupfermarkt abgebaut, an den langfristigen Perspektiven aber kaum etwas verändert. Im Gegenteil: Die Stabilisierung an der 100-Tage-Linie könnte sich als wichtiger Ausgangspunkt für die nächste Aufwärtswelle erweisen.
Fundamental spricht weiterhin nahezu alles für steigende Preise. Kupfer ist der Rohstoff der Elektrifizierung – und damit einer der größten Profiteure von KI, Energiewende und Infrastrukturboom. Gleichzeitig bleibt das Angebot strukturell knapp und nur schwer auszuweiten. Wer nicht nur auf die kommenden Wochen, sondern auf die nächsten Jahre blickt, dürfte die jüngste Schwächephase deshalb eher als Kaufgelegenheit denn als Warnsignal interpretieren.























