Die US-Notenbank Federal Reserve hat zum fünften Mal in diesem Jahr den Leitzins unangetastet gelassen. Die Zinsspanne bleibt damit bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Das klingt nach einer klaren Entscheidung, ist es aber nicht.
Denn das Votum war alles andere als eindeutig. Neun Fed-Mitglieder stimmten für die Pause, drei Abweichler sprachen sich für eine Anhebung um 25 Basispunkte aus. Drei Gegenstimmen sind für Verhältnisse des Gremiums vergleichsweise viel. Meiner Meinung nach zeigt das sehr deutlich, wie zerrissen die Fed intern über den weiteren Kurs ist. Auf der einen Seite steht eine hartnäckige Inflation von 3,5 Prozent im Juni, auf der anderen die politische Dauerforderung von Präsident Donald Trump nach Zinssenkungen.
Warsh hält sich bedeckt
Fed-Chef Kevin Warsh, von Trump ins Amt gebracht, ließ bei der Pressekonferenz keine klare Richtung erkennen. Er räumte ein, dass die Diskussionen innerhalb des Gremiums hitzig waren. „Ich habe mir einen ordentlichen Familienstreit gewünscht, und den habe ich auch bekommen”, sagte er. Das ist eine ungewöhnlich offene Formulierung für einen Notenbankchef. Warsh gab zugleich an, die Teuerungsrate mit Vorrang bekämpfen zu wollen, machte aber deutlich, dass das wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde. Seit mehr als fünf Jahren liegt die US-Inflation über dem Fed-Zielwert von 2 Prozent.
Zinserhöhung im September noch möglich
Eine Mehrheit der Ökonomen rechnet derzeit damit, dass die Fed beim September-Entscheid den Leitzins um einen Schritt auf dann 3,75 bis 4,00 Prozent anheben könnte. Allerdings ist diese Mehrheit nach der jüngsten Sitzung deutlich geschrumpft. Vor dem Mittwochsentscheid galt eine Erhöhung an den Märkten als so gut wie sicher eingepreist. Das hat sich geändert.
Ein wichtiger Grund dafür ist die Energiekrise. Kritiker im Fed-Umfeld argumentieren, dass eine Zinserhöhung schlicht an der Ursache der Inflation vorbeiziele. Die Straße von Hormus, die durch den Iran-Krieg in den Fokus gerückt ist, bleibt der Engpass für den globalen Energiehandel. Solange dort keine dauerhafte Lösung gefunden wird, zahlen Firmen weiter hohe Preise für Öl, Gas und Dünger. Diese Kosten landen bei den Verbrauchern. Eine Zinserhöhung ändert daran nichts.
Was bedeutet das für die Börse?
Für Aktienanleger ist das Bild ungemütlich. Bleibt die Fed im September tatsächlich erneut in der Warteschleife, dürfte das vor allem zinsempfindliche Sektoren wie Immobilien oder Versorger kurzfristig stützen. Eine überraschende Erhöhung auf 3,75 bis 4,00 Prozent würde dagegen Druck auf Wachstumsaktien ausüben, deren Bewertungen auf niedrige Zinsen angewiesen sind. Ich glaube, dass die anhaltende Uneinigkeit innerhalb der Fed die Märkte noch eine Weile in Atem halten dürfte. Solange die Straße von Hormus keine Entlastung bringt und die Inflation über 3 Prozent bleibt, dürfte das Umfeld für Aktien insgesamt herausfordernd bleiben.
Quelle: dpa-AFX























