Die Marktstimmung beim Gold erinnert mich aktuell an die Atmosphäre nach dem gestrigen Abend. Düster, ernüchternd, irgendwie ratlos. Interessanterweise war genau diese Art von Pessimismus in der Vergangenheit oft ein ziemlich zuverlässiger Vorbote für Stabilisierungen oder sogar kräftige Erholungsrallys. Zumindest im Goldmarkt funktioniert das so. Beim Fußball kann ich nicht mitreden, da wundere ich mich höchstens.
Physischer Goldmarkt liefert überraschend positive Signale
Ich schaue mir regelmäßig die Daten vom physischen Goldmarkt an der CME Comex an. Dort werden Futures-Kontrakte tatsächlich in echtes, physisches Gold ausgeliefert. Diese Zahlen gelten mir als verlässlicher Frühindikator für die reale Nachfrage.
Die aktuellen Zahlen überraschen mich positiv. Die Auslieferungen im Juni lagen deutlich über denen vom April, dem letzten Hauptliefermonat. Auch gegenüber 2024 zeigt sich ein klares Plus. Klar, die Rekordwerte von Ende 2025 und Anfang 2026 werden nicht ganz erreicht. Trotzdem bleibt die physische Nachfrage außergewöhnlich robust. Das finde ich bemerkenswert, gerade weil die Preise zuletzt korrigiert haben.
Gemessen in US$ war der Juni sogar der stärkste Juni aller Zeiten. Das ausgelieferte Volumen stieg gegenüber dem Vorjahr um fast 70 Prozent. Das liegt nicht nur am höheren Goldpreis. Es wurden auch über 8.000 zusätzliche Futures-Kontrakte physisch erfüllt. Für mich spricht das für echte, nachhaltige Nachfrage und nicht nur für einen Preiseffekt.
Net New Contracts erreichen Jahreshoch
Besonders bullisch finde ich die sogenannten Net New Contracts. Das sind Kontrakte, die ausschließlich für die sofortige physische Lieferung eröffnet und abgewickelt werden. Diese erreichten den höchsten Stand des gesamten Jahres. Was mich allerdings stutzig macht in positivem Sinne: Diese Nachfrage nahm sogar während der laufenden Preisschwäche weiter zu.
Gleichzeitig fließt weiterhin Gold aus den Comex-Lagerhäusern ab. Der Lagerabbau verlangsamte sich im Juni zwar etwas, die Bestände wurden aber nicht wieder aufgefüllt. Die verfügbaren physischen Goldreserven sinken also weiter.
Auch für Juli zeigt sich bereits ein ungewöhnlich hohes Interesse. Die offenen Kontrakte steigen sogar kurz vor Ablauf weiter an. Ein weiteres Indiz dafür, dass Käufer die niedrigeren Preise gezielt nutzen, um sich physisches Gold zu sichern.
Verhältnis zwischen Kontrakten und Beständen wird eng
Besonders auffällig ist das Verhältnis zwischen offenen Kontrakten und den tatsächlich verfügbaren Goldbeständen. Dieses liegt aktuell auf dem zweithöchsten Niveau in dieser Phase des Lieferzyklus. Lediglich der März des Vorjahres war höher. Der physische Markt wird damit zunehmend enger.
Stimmung sagt verkaufen, Fundamentaldaten sagen kaufen
Aus meiner Erfahrung entsteht hier eine klassische Divergenz. Viele Marktteilnehmer sind aufgrund der jüngsten Kursrückgänge pessimistisch geworden. Die Fundamentaldaten senden aber ein deutlich anderes Signal. Die Nachfrage nach physischem Gold bleibt außergewöhnlich stark, Lagerbestände schrumpfen weiter und immer mehr Käufer lassen sich Gold tatsächlich ausliefern.
Diese Entwicklung spricht dafür, dass institutionelle und langfristig orientierte Investoren die niedrigeren Preise zum Aufbau von Positionen nutzen. Sobald der spekulative Verkaufsdruck am Terminmarkt nachlässt, dürfte diese robuste physische Nachfrage den Grundstein für eine nachhaltige Erholung des Goldpreises legen.
Fazit
Da ich im Rohstoff Anleger Club immer die Fundamentaldaten eines Marktes an die erste Stelle setze und Übertreibungen nutze, haben wir uns getreu dem Motto Buy low, sell high bereits Ende letzten und Anfang dieses Jahres hohe Gewinnmitnahmen im Gold gegönnt und starten genau jetzt wieder mit neuem Positionsaufbau.
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