BHP Group hat im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen spürbaren Einbruch bei der Kupferproduktion vermeldet. Die Fördermenge sank in den drei Monaten bis Ende September um 19 Prozent, und das Hauptproblem liegt geografisch klar eingegrenzt: Chile. Extremes Wetter legte dort Betriebsabläufe lahm, hinzu kamen planmäßige Wartungsarbeiten. Unterm Strich förderte BHP im Quartal 400.700 Tonnen Kupfer.
Chile bleibt das große Sorgenkind
Ausgerechnet dort, wo BHPs wichtigste Kupferminen liegen, läuft es seit Jahren nicht rund. Die jährliche Fördermenge Chiles ist wegen einer Serie tödlicher Unfälle und wiederkehrender Wetterereignisse auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten gesunken. Das ist kein kurzfristiges Problem, das ist ein strukturelles. Konzernchef Brandon Craig sprach in diesem Zusammenhang von einem “wartungsintensiven” Quartal, verwies gleichzeitig aber auf volatile Märkte, geopolitische Spannungen sowie gestiegene Energie- und Frachtkosten als Gegenwind für die gesamte Bergbaubranche.
Kupferpreis steigt, Produktion nicht
Interessant ist, was parallel zur sinkenden Förderung passiert: Der erzielte Kupferpreis stieg im Jahresvergleich um gut die Hälfte auf 7,01 US$ pro Pfund. Rechenzentren, erneuerbare Energien, Elektrifizierung, das alles treibt die Nachfrage. Meiner Meinung nach ist das der entscheidende Kontext, den man beim Blick auf diese Quartalszahlen nicht aus den Augen verlieren sollte. Die Produktion sinkt, aber das Metall selbst wird teurer. Und beim Eisenerz, dem zweitwichtigsten Rohstoff des Konzerns, legte BHP sogar leicht auf 66,5 Millionen Tonnen zu. Das Jahresziel für Kupfer hält das Unternehmen bisher aufrecht.
Kein Einzelfall in der Branche
BHP steht mit diesem Problem nicht allein. Konkurrent Rio Tinto meldete vergangene Woche ebenfalls einen ähnlichen Rückgang bei der Kupferförderung aus chilenischen Standorten, konnte das aber durch höhere Mengen in der Mongolei ausgleichen. Für BHP fehlt dieser Ausgleich im Quartal. Große Bergbaukonzerne kämpfen generell mit sinkenden Erzgehalten in jahrzehntealten Minen, während neue Kupfervorkommen immer schwerer zu finden sind.
Was bedeutet das für die BHP-Aktie?
Der Produktionseinbruch von 19 Prozent ist kurzfristig belastend, das lässt sich nicht schönreden. Gleichzeitig profitiert BHP vom hohen Kupferpreis, was den negativen Mengeneffekt zumindest teilweise abfedern dürfte. Ich glaube, dass der Markt die Aktie derzeit vor allem über die Rohstoffpreiserwartungen bewertet, weniger über die Quartalsfördermenge. Sollte Kupfer weiter gefragt bleiben und der Preis hoch bleiben, wäre die BHP-Aktie mittelfristig durchaus interessant. Charttechnisch und fundamental müsste man allerdings genau beobachten, ob die Probleme in Chile strukturell bleiben oder sich im weiteren Jahresverlauf auflösen. Meiner Überzeugung nach ist das der Schlüsselfaktor für die weitere Kursentwicklung.
Quelle: dpa-AFX






















