Der Iran und Oman verhandeln über einen gemeinsamen Schifffahrtskorridor in der Straße von Hormus. Außenamtssprecher Ismail Baghai bestätigte das gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Geplant ist ein Rundkurs, also eine nördliche Einfahrtroute durch iranische Hoheitsgewässer und eine südliche Rückfahrtroute durch omanische Gewässer. Vorerst soll diese Lösung als vorläufige Regelung gelten, bis eine endgültige Einigung steht.

Trump wirft Teheran Unehrlichkeit vor

Baghai betonte ausdrücklich, dass es sich um bilaterale Verhandlungen zwischen dem Iran und dem Oman handele. Mit den USA führe Teheran derzeit keine Gespräche. Das kam in Washington gar nicht gut an. US-Präsident Donald Trump reagierte auf seiner Plattform Truth Social mit scharfer Kritik und warf der iranischen Führung Unehrlichkeit vor. Er schrieb, die Iraner bäten um Treffen, hätten weitere Gespräche für die nahe Zukunft angesetzt und erklärten gleichzeitig stolz, keinerlei Gespräche zu führen und ausschließlich mit Oman zu verhandeln. Trump kündigte zudem an, die USA würden ihre Seeblockade gegen iranische Häfen aufrechterhalten, bis es einen Deal gebe oder eine vollständige Kapitulation erfolge.

Warum die Straße von Hormus so wichtig ist

An ihrer schmalsten Stelle misst die Straße von Hormus nur rund 39 Kilometer. Da sowohl der Iran als auch Oman eine Zwölf-Seemeilen-Zone von jeweils etwa 22,2 Kilometern beanspruchen, überschneiden sich die Hoheitsgewässer beider Länder vollständig. Internationale Gewässer gibt es dort schlicht nicht. Das UN-Seerechtsübereinkommen garantiert zwar Transitdurchfahrten und untersagt eine Blockade von Handelsschiffen, der Iran akzeptiert diese Rechtslage jedoch nicht.

Durch die neue Regelung würde die freie Durchfahrt gegenüber der Zeit vor dem Militärkonflikt eingeschränkt. Der Iran könnte etwa kontrollieren, welche Schiffe aus welchen Ländern die Meerenge passieren dürfen. Kriegsschiffen könnte die Durchfahrt generell verwehrt werden. Die Straße ist eine der bedeutendsten Öl-, Gas- und Düngemittelrouten weltweit, der Streit um die Durchfahrtsrechte gilt als ein zentraler Auslöser der jüngsten Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Mitte Juni hatten sich beide Seiten auf ein Rahmenabkommen verständigt, das Teheran zu einer Einigung mit dem Oman über die künftige Verwaltung der Meerenge verpflichtet.

Anzeige
sharedeals Plus

Was bedeutet das für Öl-Aktien und den Markt

Meiner Meinung nach ist die Lage rund um die Straße von Hormus noch längst nicht entspannt. Solange Trump die Seeblockade aufrechterhalten will und Teheran gleichzeitig behauptet, keine Gespräche mit Washington zu führen, bliebe das Konfliktpotenzial hoch. Eine echte Eskalation würde wohl zu einem starken Ölpreisanstieg führen, wovon Öl-Produzenten wie ExxonMobil oder Shell kurzfristig profitieren könnten. Auf der anderen Seite wären energieintensive Unternehmen und Chemiekonzerne, die auf günstiges Öl und Gas angewiesen sind, klar unter Druck. Ich sehe die aktuelle Nachrichtenlage als ein weiterhin schwellendes Risiko für die Märkte, das Investoren im Blick behalten sollten.
Quelle: dpa-AFX