Vom Nischenmetall zum strategischen Engpass – warum Silber nach +150 % noch lange nicht am Ende ist
Ein historischer Durchbruch
Silber hat geliefert – und zwar spektakulär.
Nach Jahren im Schatten von Gold ist das graue Metall 2025 endgültig ins Rampenlicht getreten. Mit einem Preisanstieg von nahezu +150 % im Gesamtjahr und neuen Rekordständen oberhalb von 80 US$ je Unze hat Silber nicht nur alle Erwartungen übertroffen, sondern auch ein neues Kapitel im Rohstoffzyklus aufgeschlagen.
Was lange als „Golds kleiner Bruder“ galt, entpuppt sich zunehmend als strategischer Engpassrohstoff – mit enormer Bedeutung für Energie, Technologie und geopolitische Stabilität.
Silber im strukturellen Bullenmarkt
Der aktuelle Preissprung ist kein kurzfristiger Ausreißer. Bereits seit den pandemiebedingten Tiefstständen von unter 12 US$ im Jahr 2020 befindet sich Silber in einem intakten, mehrjährigen Bullenmarkt. Während Gold zwar ebenfalls neue nominale Höchststände erreichte, hat Silber es inzwischen nicht nur eingeholt, sondern auf relativer Basis deutlich übertroffen.
Historisch betrachtet ist das kein Zufall: In fortgeschrittenen Rohstoffzyklen neigt Silber dazu, Gold prozentual klar zu schlagen – insbesondere dann, wenn Angebotsengpässe auf eine stark zyklische Industrienachfrage treffen. Genau dieses Szenario erleben wir derzeit.
Zölle, Logistik und Marktstress: Warum Silber knapper ist als Gold
Die jüngste Preisexplosion wurde zusätzlich durch massive Verwerfungen an den Terminmärkten beschleunigt. Die Androhung neuer US-Zölle, Unsicherheiten über Edelmetallimporte und eine mangelnde Transparenz der Handelsströme führten zu erheblichen Preisunterschieden zwischen London und der COMEX in den USA.
Die Folge:
Große Mengen Gold und Silber wurden aus London in die USA verlagert – mit gravierenden Konsequenzen. Während Gold aufgrund seines hohen Werts und geringen Volumens relativ einfach per Luftfracht transportiert werden kann, ist Silber logistisch deutlich im Nachteil. Der Transport erfolgt meist per Schiff – langsam, teuer und unflexibel.
Das Resultat war eine spürbare physische Verknappung, insbesondere auf dem Londoner Markt. Anders als bei Gold gibt es im Silbermarkt keine Zentralbanken, die als „Kreditgeber letzter Instanz“ Liquidität bereitstellen könnten. Silber ist damit deutlich anfälliger für Marktstress – und genau dieser Stress hat den Preisanstieg zusätzlich befeuert.
Angebotsrisiken: Mexiko im geopolitischen Fokus
Ein weiterer struktureller Risikofaktor ist die Angebotsseite.
Mexiko, das weltweit wichtigste Silberproduktionsland, steht zunehmend im geopolitischen Fokus der USA. Handelskonflikte, regulatorische Unsicherheiten und politische Spannungen wirken wie ein Brandbeschleuniger auf einen Markt, der ohnehin seit Jahren unter chronischem Unterangebot leidet.
Technisches Bild: Alte Widerstände sind Geschichte
Aus technischer Sicht hat Silber 2025 mehrere historische Hürden pulverisiert. Die früheren Widerstandsbereiche bei 35 US$ (Hochs von 2012) sowie bei rund 50 US$ (1980 und 2011) wurden mit hoher Dynamik überwunden.
Langfristige Charts, die bis in die 1960er-Jahre zurückreichen, zeigen:
Mit dem Ausbruch über diese Zonen hat Silber einen neuen, säkularen Preisfindungsprozess begonnen. Klassische Projektionsmodelle liefern inzwischen Kursziele deutlich oberhalb der bisherigen Rekordmarken – insbesondere, wenn das Angebotsdefizit anhält.
Der Silbermarkt bleibt im Defizit
Fundamental ist die Lage eindeutig.
Nach aktuellen Schätzungen hat die globale Silbernachfrage das Angebot auch 2025 deutlich überschritten – das fünfte Defizitjahr in Folge. Die britische HSBC beziffert das Defizit auf 230 Millionen Unzen.
Treiber dieser Entwicklung sind vor allem:
- Industrienachfrage (Elektronik, Halbleiter, Medizintechnik)
- Physische Investmentnachfrage
- Energiewende & Solartechnologie
- Künstliche Intelligenz und Rechenzentren
Besonders bemerkenswert: Silber ist bei Raumtemperatur das Metall mit dem niedrigsten elektrischen Widerstand. Für Hochleistungschips, Server, Schaltanlagen und MLCC-Kondensatoren ist es kaum ersetzbar. Laut Branchenstudien wächst der Silberbedarf im KI-Umfeld jährlich zweistellig.
Gleichzeitig leidet die Angebotsseite unter jahrzehntelanger Unterinvestition. Reine Silberminen sind selten, und der Großteil der Produktion fällt als Nebenprodukt in Gold- oder Basismetallminen an – deren Förderentscheidungen kaum vom Silberpreis beeinflusst werden.
Hebelwirkung: Warum Silberaktien jetzt besonders spannend sind
Historisch reagieren Silberminenaktien deutlich überproportional auf steigende Silberpreise. Besonders Junior-Produzenten und Entwickler verfügen über eine enorme operative Hebelwirkung.
Sollte sich der Silberpreis auch nur auf dem aktuellen Niveau stabilisieren – geschweige denn weiter steigen – dürfte verstärkt Kapital aus dem physischen Markt und aus ETFs in ausgewählte Minenwerte fließen. In früheren Zyklen waren hier Vervielfachungen keine Seltenheit.
Fazit: Silber ist kein Trade – es ist ein Megatrend
Silber ist heute weit mehr als ein monetäres Edelmetall.
Es ist industrieller Schlüsselrohstoff, strategischer Engpass und Absicherung gegen geldpolitische und geopolitische Risiken zugleich.
Trotz der fulminanten Rally bleibt Silber im historischen Vergleich – insbesondere relativ zu Gold – strukturell unterbewertet. Korrekturen sind jederzeit möglich, ändern jedoch nichts am übergeordneten Bild: Jeder Rücksetzer ist eine potenzielle Einstiegsgelegenheit.
Ob physisch, über ETFs oder mit selektiven Engagements im Minensektor –
Silber hat den Rohstoffzyklus 2025 neu definiert. Und vieles spricht dafür, dass wir 2026 erst am Anfang stehen.























