Silber fällt und fällt – viele Anleger haben in den letzten Wochen regelrecht Panik bekommen. Von über 121 US$ je Unze im Januar ging es runter bis auf 65 US$, aktuell steht der Preis wieder knapp über 73 US$. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine massive Entspannung am Markt. Nur stimmt das überhaupt? Wenn ich mir die physischen Daten anschaue, sehe ich ein völlig anderes Bild. Die Angebotsindikatoren haben sich nämlich weiter verschärft, obwohl der Preis nachgegeben hat.
COMEX zeigt kritische Warnsignale
Die Lage an der COMEX macht mich hellhörig. Das ist der zentrale Preisbildungsplatz für Silber in den USA und einer der wichtigsten Referenzmärkte weltweit. Dort gibt es die sogenannte „registered inventory”, also jenen Bestand, der tatsächlich sofort für physische Auslieferungen verfügbar ist. Dieser Bestand ist inzwischen auf ein Niveau gesunken, das ich klar als Stresszone einstufe.
Per Ende März 2026 lag der registrierte COMEX-Silberbestand bei nur noch rund 76 Millionen Unzen. Dem stehen etwa 576 Millionen Unzen an offenem Futures-Interesse gegenüber. Das bedeutet: Der sofort lieferbare Bestand deckt nur noch etwa 13,4 Prozent der ausstehenden Terminmarktpositionen ab. Historisch gilt bereits ein Wert unter 15 Prozent als Warnsignal für zunehmende physische Enge. Wir liegen aktuell deutlich darunter.
Registered gegen Eligible
An der COMEX gibt es zwei Kategorien: „registered” und „eligible”. Eligible-Silber liegt zwar in zugelassenen Lagerhäusern und erfüllt die Qualitätsstandards, ist aber nicht automatisch lieferbar. Es gehört privaten Eigentümern und müsste erst freiwillig in den registered-Status überführt werden. Theoretisch geht das schnell, praktisch aber nur, wenn der Eigentümer das Metall auch tatsächlich freigibt. Und genau das ist in angespannten Marktphasen eben keineswegs garantiert. Viele halten das Silber für eigene Kunden oder haben es anderweitig als Sicherheit hinterlegt. Nur registered zählt also wirklich als sofortiger Lieferpuffer. Und dieser Puffer ist extrem dünn.
März-Liefermonat beschleunigt Lagerabbau
Wie angespannt die Lage wirklich ist, zeigte der März-Liefermonat 2026. In diesem Zeitraum wurden rund 9.212 Silberkontrakte zur physischen Lieferung gezogen. Das entspricht etwa 46,1 Millionen Unzen Silber. Um die Größenordnung klarzumachen: Diese Menge entspricht rund 60,6 Prozent des aktuell verfügbaren registrierten COMEX-Bestands. In nur einem Monat wurde also physisches Silber in einer Größenordnung nachgefragt, die mehr als drei Fünftel des heute noch verfügbaren Lagerbestands entspricht. Das ist keine normale Marktbewegung. Marktteilnehmer wollen zunehmend nicht nur Papier-Silber handeln, sondern tatsächlich physische Verfügbarkeit absichern. Dieser Trend läuft bereits seit Ende 2025 und hat sich durch den März-Lieferzyklus weiter beschleunigt.
Shanghai-Aufpreis bestätigt globale Knappheit
Die stärkste Bestätigung dafür, dass es sich hier nicht nur um ein US-Phänomen handelt, kommt aus Asien. An der Shanghai Futures Exchange notierten Silber-Futures Anfang April 2026 bei rund 84,59 US$ je Unze, während vergleichbare COMEX-Mai/Juni-Kontrakte am selben Tag nur bei etwa 74,94 US$ je Unze gehandelt wurden. Das entspricht einem Aufschlag von rund 9 bis 10 US$ je Unze, also etwa 12 bis 13 Prozent. Ein solcher Aufpreis ist außergewöhnlich. In einem gut versorgten Markt würden Arbitrageure diesen Preisunterschied normalerweise relativ schnell ausgleichen, indem sie günstigeres Silber aus dem Westen nach Asien umleiten. Dass diese Prämie seit Ende 2025 hartnäckig bestehen bleibt, zeigt: Die physische Nachfrage ist real, global und stark genug, um selbst erhebliche Preisunterschiede nicht verschwinden zu lassen.
Fazit
Genau darin liegt der bullische Kern der aktuellen Lage. Denn wenn zwischen den beiden wichtigsten Silber-Futures-Märkten der Welt über längere Zeit ein Preisunterschied von 12 bis 13 Prozent bestehen bleibt, gibt es letztlich nur zwei plausible Auflösungen. Entweder steigt der COMEX-Preis deutlich an, um sich dem höheren asiatischen Preisniveau anzunähern. Oder aber physisches Metall fließt verstärkt von West nach Ost, um die Lücke zu schließen. Und auch das wäre für den westlichen Markt bullisch, denn es würde die ohnehin schon knappen registrierten Bestände an der COMEX weiter ausdünnen. Damit verdichtet sich das Bild eines Marktes, der trotz seiner heftigen Kurskorrektur fundamental alles andere als entspannt ist. Die Kombination aus niedriger Deckungsquote, außergewöhnlich hoher physischer Liefernachfrage und einem anhaltend hohen Shanghai-Aufschlag deutet darauf hin, dass Silber strukturell in eine Phase zunehmender Knappheit übergeht. Der Preisrückgang wirkt vor diesem Hintergrund eher wie eine normale Liquidations- oder Volatilitätsphase. Das macht den Markt aktuell so spannend: Denn wenn sich die physische Enge weiter verschärft, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Terminmarkt irgendwann gezwungen wird, diese Knappheit wieder deutlicher einzupreisen. In einem solchen Szenario zeigt sich dann, dass der jüngste Preisrückgang lediglich eine Unterbrechung innerhalb eines größeren bullischen Zyklus war.
Im Rohstoff Anleger Club (RAC) haben wir im Vorfeld während der anfänglichen hochdynamischen Phase einige Gewinne im Silber gesichert (bis +920 Prozent), aber einen Großteil unserer Silber-Investments auf Halten gestellt. Das wird sich auszahlen, ebenso wie die nächsten Silber-Top-Chancen im RAC.
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