Die Märkte stehen vor einem Regimewechsel.

Über ein Jahrzehnt lang dominierten Liquidität, niedrige Volatilität und nahezu grenzenlose Kreditverfügbarkeit das Geschehen. Wachstumsaktien – vor allem im Technologiesektor – profitierten massiv. Doch historische Muster legen nahe: Kein Kredit- und Liquiditätszyklus hält ewig. Und wenn er endet, beginnt meist eine neue Phase – die Stunde der Rohstoffe.

2026 mehren sich die Anzeichen, dass wir genau an diesem Wendepunkt stehen.

Der Kreditzyklus – ein System auf Hebel

Seit der globalen Finanzkrise 2008 stützen expansive Geldpolitik, quantitative Lockerung und später massive Fiskalprogramme die Märkte. Spätestens seit der Corona-Pandemie wurde Liquidität direkt ins System injiziert – mit weitreichenden Folgen:

  • Leverage wurde zum Normalzustand
  • Volatilität wurde systematisch unterdrückt
  • Risiken wurden implizit sozialisiert

Strategien, die auf Stabilität setzen und Volatilität verkaufen, konnten jahrelang stetige Gewinne erzielen – bis ein exogener Schock alles infrage stellt. Genau dieses Muster zeigte sich historisch immer wieder.

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Typisch für späte Kreditphasen:

  • Momentum schlägt Fundamentaldaten
  • Growth schlägt Value
  • Gewinner werden immer größer

Die enorme Marktkonzentration im US-Technologiesektor ist Ausdruck dieser Dynamik. Gleichzeitig notieren Finanzvermögenswerte im Verhältnis zum globalen BIP weiterhin nahe historischer Extremwerte – ein Zustand, der langfristig kaum stabil bleibt.

Warum Kreditzyklen enden

Kredit- und Liquiditätsregime sind inhärent instabil. Sie enden meist abrupt – ausgelöst durch:

  • steigende Inflation
  • Vertrauensverlust in Geldpolitik
  • geopolitische Brüche
  • Volatilitätsschocks

Historische Beispiele zeigen das Muster:

  • 1929: Zusammenbruch des kreditgetriebenen Börsenbooms
  • 1971: Ende der Dollar-Gold-Bindung
  • 2000: Platzen der Technologieblase

Jeder dieser Wendepunkte leitete im Anschluss eine starke Rohstoff- und Value-Phase ein.

Rohstoffe sind Value – und Value war lange ungeliebt

In einer Welt billigen Geldes wirken reale Assets sperrig. Energie- und Metallunternehmen sind:

  • kapitalintensiv
  • zyklisch
  • politisch unbequem

Genau deshalb wurden sie über Jahre untergewichtet. Energie macht heute nur noch einen kleinen Anteil großer Leitindizes aus, während Technologie dominiert – historisch betrachtet eine extreme Konstellation.

Gleichzeitig sind viele Rohstoffmärkte strukturell unterinvestiert:

  • Kupfer: steigende Nachfrage durch Elektrifizierung
  • Uran: Renaissance der Kernenergie
  • Nickel & Industriemetalle: Infrastruktur und Verteidigung
  • Öl & Gas: geopolitisch sensitives Angebot

Das Angebot reagiert träge. Neue Minen oder Förderprojekte brauchen Jahre. ESG-Vorgaben, Genehmigungsverfahren und geopolitische Risiken verschärfen die Knappheit.

Wenn Nachfrage auf strukturell begrenztes Angebot trifft, entstehen Preisschübe.

Gold als Seismograf

Gold nimmt eine Sonderrolle ein.
Es trägt kein Kreditrisiko, verspricht kein Wachstum – und genau das macht es in instabilen Phasen attraktiv.

Steigende Zentralbankkäufe, geopolitische Fragmentierung und wachsende Zweifel an langfristiger Währungsstabilität sind klassische Vorboten eines monetären Umbruchs. Historisch war Gold oft der erste Profiteur eines Regimewechsels.

2025/2026: Die Rotation hat begonnen

Bereits 2025 zeichnete sich eine bemerkenswerte Verschiebung ab:

  • Märkte außerhalb der USA gewannen an relativer Stärke
  • Value-Aktien entwickelten sich in vielen Regionen besser als Growth
  • Bewertungsunterschiede zwischen Growth und Value liegen weiterhin im oberen historischen Quartil

Immer dann, wenn Bewertungsabstände so extrem waren wie aktuell, folgte in der Vergangenheit eine Phase fundamentaler Neubewertung – zugunsten realer Cashflow-Unternehmen.

Was typischerweise folgt

Ein Übergang vom Kredit- zum Value-Regime verläuft selten sanft:

  • Hoch bewertete Wachstumswerte geraten unter Druck
  • Volatilität steigt
  • Kapital rotiert in reale Assets
  • Rohstoffe und Energie outperformen

Dieser Prozess ist kein kurzfristiger Trade, sondern ein mehrjähriger Zyklus.

Fazit: Kredit kommt und geht – Rohstoffe bleiben

Die letzten Jahre waren eine Ära des Leverage.
Die kommenden Jahre könnten eine Ära der Knappheit werden.

Rohstoffe sind keine Modeerscheinung. Sie sind reale, endliche Ressourcen – unverzichtbar für Elektrifizierung, Digitalisierung, Infrastruktur und Verteidigung. Während Kreditzyklen Bewertungsblasen erzeugen, schaffen Unterinvestitionen in Rohstoffsektoren die Grundlage für den nächsten Bullenmarkt.

Historisch betrachtet entstehen die größten Chancen nicht am Höhepunkt der Euphorie, sondern am Beginn eines Regimewechsels.

2026 könnte genau diesen Wendepunkt markieren.

Der Kreditzyklus wankt. Die Rohstoff-Renaissance beginnt.

Alexander Hirschler
Alex ist studierter Betriebswirt. Er hat sich schon sehr früh für Finanzthemen interessiert und eine große Leidenschaft für die Börse entwickelt. Daraus ist eine Berufung geworden. Seit 2016 schreibt er fundierte Aktienanalysen mit dem Ziel, Anlegern eine Hilfestellung bei ihren Investmententscheidungen zu geben. Finde Alex auf Xing