Ende Februar hat Trump gemeinsam mit Israel militärische Angriffe gegen den Iran befohlen. Was anfangs noch nach einem weiteren Venezuela-ähnlichen Manöver aussah, entwickelt sich nun zu einem ausgewachsenen Konflikt. Die Auswirkungen auf die globalen Ölmärkte sind erheblich.

Wer gehofft hatte, diese ganze Geschichte würde sich schnell wieder beruhigen, wurde mittlerweile eines Besseren belehrt. Gut, es gibt natürlich Gewinner. Wer auf Öl und Ölunternehmen gesetzt hat, kann sich freuen. Für nahezu alle anderen Wirtschaftsbereiche sieht es weniger rosig aus. Der Verteidigungssektor mal ausgenommen. Das Ganze passiert zu einem Zeitpunkt, an dem die US-Wirtschaft ohnehin bereits auf eine Rezession zusteuert. Aber wen kümmert das schon, wenn Trump etwas Neues anfängt.

Was der Iran wirklich bedeutet

Der Iran produzierte 2025 durchschnittlich 4,70 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Zugegeben, das sind Schätzungen mit gewissen Unsicherheiten. Trotzdem ist das Land kein Leichtgewicht am Ölmarkt. Interessanterweise verfügt der Iran über die zweitgrößten Erdgasreserven weltweit. Ein echtes Schwergewicht also, besonders beim Gas.

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Die Erdgaspreise sind gestiegen, klar. Aber die Reaktion bei Öl war deutlich extremer. Brent notiert wieder über 83 US$ pro Barrel. So hohe Preise haben wir zuletzt vor zwei Jahren gesehen. Warum schießt Öl so viel stärker nach oben? Die Antwort liegt in einer winzigen Meerenge.

Die Straße von Hormus als Flaschenhals

Diese Meerenge ist gerade mal 30 Kilometer lang. An der schmalsten Stelle sind es 39 Kilometer beziehungsweise 21 Seemeilen zwischen Iran und Oman. Nicht breiter als der Ärmelkanal. Durch diese Passage fließen täglich etwa 21 Millionen Barrel Öl. Das sind rund 21 Prozent des weltweiten Ölkonsums. Hinzu kommen noch etwa 20 Prozent des global verschifften Flüssigerdgases.

Derzeit ist die Hauptroute faktisch lahmgelegt. Das liegt nicht nur an Raketenbeschuss oder den Drohungen der Revolutionsgarden. Laut AIS-Trackingdaten werden fast alle Schiffe daran gehindert, diese wichtigste Energie-Engstelle zu passieren.

Die meisten großen Reedereien haben ihre Flotten angewiesen, die Straße von Hormus zu meiden. Einer der größten Öltanker weltweit, die Athen Nova, wurde von Drohnen angegriffen. Der Iran steht dahinter.

Die Versicherungswaffe

Es klingt fast absurd. Bei all den Shahed-Drohnen und Tomahawks im Einsatz ist die eigentliche wirtschaftliche Massenvernichtungswaffe eine Excel-Tabelle aus London. Sieben der weltweit größten maritimen Versicherungsvereinigungen haben den Versicherungsschutz für Kriegsrisiken im Persischen Golf zurückgezogen. Ohne diese Kriegsrisikoversicherung fährt kein vernünftiges Schifffahrtsunternehmen mehr durch den Golf.

Die KHK Express drehte auf halber Strecke um. An Bord befand sich Rohöl im Wert von rund 100 Millionen US$. Die Front Shanghai steckt fest. Große Namen wie Maersk und Hapag-Lloyd haben den Verkehr komplett eingestellt. Eine administrative Blockade hat erreicht, was keine Rakete vermocht hätte. Etwa 700 Schiffe liegen nun fest.

Wohin führt das alles

Der Iran hat erklärt, die Schifffahrt durch Hormus sei nicht gestattet. Versicherungen haben reagiert und die Deckung eingestellt. Schiffe bleiben stehen. So einfach läuft das.

Falls sich Trumps Interesse am Krieg nicht so schnell legt und der Konflikt über Wochen oder gar Monate andauert, könnte Brent locker die 100 US$-Marke erreichen. Vorausgesetzt, der Supertanker-Verkehr bleibt massiv beeinträchtigt. Eine Ausweitung auf die Pipelinekapazitäten aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten würde den Ölpreis zusätzlich beflügeln.

Aber wofür das Ganze? Hat Trump endlich erkannt, dass steigende Ölpreise seiner heimischen Ölindustrie zugutekommen? Vermutlich nicht. Geht es nur darum, militärische Ressourcen zu verbrauchen? Laut Verteidigungsminister Hegseth geht es nicht einmal um einen Regime-Change.

Das Munitionsproblem der USA

Interessant wird es bei den Zahlen. Die US-Präsenz im Rahmen von Epic Fury umfasst derzeit 13 Marine-Zerstörer. Diese könnten zwischen 150 und 250 Tomahawk-Marschflugkörper abfeuern, sofern sich alle in Reichweite befänden.

Der Verbrauch variiert stark. Bei Operation Midnight Hammer wurden etwa 30 Tomahawks eingesetzt. Bei Angriffen auf Huthi-Kräfte über 135. Im Dezember 2025 flogen mehr als ein Dutzend auf IS-Ziele in Nigeria.

Das Problem: Der Verbrauch übersteigt die Produktion deutlich. Aktuell liegt die US-Produktion bei 70 Tomahawks pro Jahr. Für 2025 wollte die Marine 72 kaufen, für 2026 nur noch 57. Die Produktion eines Tomahawks dauert bis zu zwei Jahre. Auch die Bestände des US-Militärs sind begrenzt.

Kritische Engpässe gibt es bereits bei PAC-3-Raketen für Patriot-Luftabwehrsysteme an die Ukraine. Gleichzeitig verballert das US-Militär ordentlich was davon, um iranische Drohnen und Raketen abzufangen.

Meine Einschätzung

Wann wird Trump der Krieg langweilig? Vermutlich, wenn ihm die Tomahawks knapp werden. Oder wenn der Ölpreis derart durch die Decke geht, dass ihm die US-Benzinpreise um die Ohren fliegen. Was auch immer zuerst passiert. Rohstoffe bleiben die einzig brauchbare Sicherheit in diesem Umfeld. Das zeigt sich gerade überdeutlich.

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Miriam Kraus
Die selbstständige Finanzanalystin Miriam Kraus hat sich in den vergangenen 15 Jahren in der Branche einen Namen gemacht. Auftraggeber wie Banken und Investmentgesellschaften sind immer wieder beeindruckt von ihren akribisch recherchierten Berichten. Dabei hat sie sich weitreichende Börsenkenntnisse angeeignet, insbesondere in ihren Spezialgebieten Osteuropa-Aktien, Emerging Markets, Devisen- und Rohstoffmärkte.