Der Ölmarkt erlebt gerade eine seiner merkwürdigsten Phasen. Kurz bevor das jüngste US-Ultimatum im Iran-Konflikt bekannt wurde, tauchte eine 760-Millionen-US$-Order auf. Solche Summen fallen nicht vom Himmel. Vance macht sich heute endlich auf den Weg zu Gesprächen, aber ob der Iran überhaupt teilnimmt, steht in den Sternen. Die Ölpreise reagieren abwartend, bleiben gedämpft.

Verdächtige Timing-Muster häufen sich

Die Liste auffälliger Transaktionen wird länger. Am 23. März bewegten sich Öl-Futures im Wert von 580 Millionen US$. Das passierte 16 Minuten bevor Trump eine Pause der Angriffe auf iranische Kraftwerke ankündigte. Keine öffentliche Nachricht rechtfertigte diese Bewegung im Vorfeld.

Mehr als 150 Polymarket-Accounts platzierten am Freitag vor Kriegsbeginn Hunderte Wetten darauf, dass die USA bereits am nächsten Tag einen Angriff auf den Iran starten würden. Am 2. Januar verwandelte ein Trader rund 32.000 US$ in über 400.000 US$, indem er auf die Festnahme von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro setzte. Das geschah noch bevor diese am nächsten Morgen bekannt gegeben wurde. Im April 2024 tauchte eine Welle bullischer Aktienkäufe nur Minuten vor Trumps Ankündigung einer überraschenden 90-tägigen Pause der Liberation Day-Zölle auf.

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Wo sind die Kontrollmechanismen geblieben?

Größe und Timing wirken auffällig. Trotzdem fehlen belastbare Beweise für illegales Verhalten. Klassische Marktmanipulation bedeutet, dass Akteure Preise künstlich bewegen durch Täuschung oder koordinierte Aktionen ohne fundamentale Grundlage. Dafür gibt es keine Hinweise. Realistischer wirkt die Annahme von Insiderhandel. Aber auch hier fehlen schlussendlich die Beweise.

Das strukturelle Problem zeigt sich deutlich. Die Trump-Regierung hat große Teile der Mechanismen abgebaut, die eigentlich Insiderhandel und Wirtschaftskriminalität aufdecken sollen. Die Public Integrity Section des Justizministeriums wurde nach dem Watergate-Skandal gegründet, um korrupte Amtsträger zu verfolgen. Laut NOTUS wurde sie von 36 auf nur noch zwei Anwälte reduziert und ihrer Befugnis beraubt, neue Fälle einzuleiten.

Im Jahr 2025 stellte die Regierung 159 bundesweite Ermittlungsverfahren gegen 166 Unternehmen ein. Mehr als 30 davon hatten zuvor zur Amtseinführung Trumps oder zum Bau eines Ballsaals im Weißen Haus beigetragen, wie Public Citizen berichtet. Die oberste Durchsetzungsbeamtin der U.S. Securities and Exchange Commission trat kürzlich zurück. Reuters zufolge soll sie daran gehindert worden sein, aggressiv gegen Fälle im Umfeld Trumps vorzugehen. Ein Sprecher der Behörde erklärte hingegen, dass Wertpapiergesetze konsequent angewendet würden und interne Meinungsverschiedenheiten normal und erwünscht seien.

Asien im Energie-Stresstest

Der Konflikt bleibt heiß. Die Konsequenzen sind brisant. Asien befindet sich bereits im Energie-Stresstest. Pakistan erlebt mehrstündige Blackouts. Thailand und Vietnam setzen auf Energiesparmaßnahmen wie Home Office und Reisebeschränkungen. Myanmar führt autofreie Tage ein. Die Philippinen testen die 4-Tage-Arbeitswoche. Asien ist die vulnerabelste industrialisierte Region, vor Europa.

Erste Anzeichen der sich fortsetzenden Knappheit zeigen sich im Flugverkehr. Was die tatsächlich vulnerablen Regionen dieser Welt betrifft, sollte die Möglichkeit einer Lebensmittelkrise zu denken geben. Eine Gaskrise ist am Ende immer auch eine Dünger-Krise.

Fazit

Seit Ende 2024 ist eines klar. Verlassen kann man sich neben Gold und Rohstoffen nur auf den kompletten Wahnsinn dieser Mobster-esken Regierung im Weißen Haus. Erhöhte Volatilität und steigende Inflation waren absehbar. Die Kombination aus Marktanomalien und abgebauten Kontrollmechanismen schafft ein Umfeld, in dem fundierte Prognosen fast unmöglich werden. Wer jetzt investiert, braucht starke Nerven und sollte auf defensive Positionen setzen.

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Miriam Kraus
Die selbstständige Finanzanalystin Miriam Kraus hat sich in den vergangenen 15 Jahren in der Branche einen Namen gemacht. Auftraggeber wie Banken und Investmentgesellschaften sind immer wieder beeindruckt von ihren akribisch recherchierten Berichten. Dabei hat sie sich weitreichende Börsenkenntnisse angeeignet, insbesondere in ihren Spezialgebieten Osteuropa-Aktien, Emerging Markets, Devisen- und Rohstoffmärkte.