Wer im Moment die Nachrichten verfolgt, kommt an Erdöl nicht vorbei. Der Krieg im Nahen Osten sorgt für Unruhe, Preise ziehen an. Dass Öl- und Gasaktien im Rohstoff Anleger Club gerade gut laufen, überrascht da wenig. Und dann noch Trump, der mit seinen Aussagen für zusätzliche Volatilität sorgt. Die G7 diskutieren derweil, ob sie ihre strategischen Ölreserven anzapfen sollen. Die Amerikaner fahren da nach wie vor nur auf halber Kapazität, seit dem Ukraine-Schock wurden die Reserven nie richtig aufgefüllt. Bei einer anhaltenden Blockade der Straße von Hormus würden diese Reserven etwa 30 bis 45 Tage reichen, je nachdem wie schnell man sie nutzt und was die Industrie noch auf Lager hat.

Unterschätzter Markt mit großem Potenzial

Aber lassen wir das Öl heute mal links liegen. Mich interessiert ein ganz anderer Markt, den viele Anleger gar nicht auf dem Radar haben, wenn die Ölpreise steigen. Die Rede ist von Agrarrohstoffen. Metalle haben uns zuletzt schon Freude gemacht, Energiepreise ziehen gerade nach. Der neue Rohstoff-Bullenmarkt nimmt Fahrt auf. Nur die Getreidepreise? Die bewegten sich bislang ziemlich träge. Doch genau hier liegt aus meiner Sicht eine spannende Chance, besonders bei Mais.

Warum Mais von steigenden Energiepreisen profitiert

Die Verbindung zwischen Mais und Energie ist enger, als viele denken. In den USA fließen etwa 45 Prozent der gesamten Maisproduktion in die Ethanol-Herstellung. Das Zeug wird dem Benzin beigemischt, verpflichtend durch den Renewable Fuel Standard. Steigen also die Spritpreise, wird Ethanol als Beimischung attraktiver. Die Nachfrage nach Mais zieht automatisch an, der Preis folgt. Bei Weizen gibt es so einen Zusammenhang nicht wirklich. Sojabohnen kommen zwar über Biodiesel auch mit dem Energiemarkt in Berührung, aber das macht nur rund 8,8 Prozent der Nachfrage aus. Deutlich weniger als beim Mais.

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Die Geschichte zeigt, wie heftig Mais reagieren kann, wenn Rohstoffpreise steigen. Während des großen Booms 2007 bis 2008 schoss der Preis von etwa 3,50 US$ pro Scheffel auf 7,65 US$ hoch. Noch krasser war die Bewegung 1973 während der Ölkrise, als Mais innerhalb weniger Monate von 1,28 auf rund 4,00 US$ kletterte. Aktuell steht Mais bei etwa 4,46 US$. Sollte sich auch nur ansatzweise ein ähnliches Muster wiederholen, könnte da noch einiges gehen.

Rekordernte trifft auf Rekordnachfrage

Parallel dazu boomt die internationale Nachfrage. Die USA haben in der Saison 2025/26 zwar eine Rekordernte von 17,02 Milliarden Scheffeln eingefahren, trotzdem sinken die erwarteten Endbestände. Der Grund ist simpel. Die Exportnachfrage liegt bei 3,3 Milliarden Scheffeln, fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr. So etwas gab es noch nie.

Der Krieg in der Schwarzmeerregion spielt hier eine zentrale Rolle. Russland und die Ukraine liefern normalerweise ein Viertel der weltweiten Mais- und Weizenexporte. Das meiste läuft über das Schwarze Meer, eine Route, die seit Kriegsbeginn immer wieder unsicher ist. Viele Abnehmer suchen nach Alternativen und wenden sich an die USA, vor allem an die Exportterminals am Golf von Mexiko. Eine schnelle Lösung für den Konflikt ist nicht in Sicht. Die Spannungen im Nahen Osten kommen noch dazu. Die USA könnten sich dadurch dauerhaft als Standardlieferant etablieren. Für den Maispreis ist das klar bullisch.

Wetterrisiken nehmen zu

Dann kommt noch das Wetter ins Spiel. Extreme Ereignisse häufen sich weltweit und machen die Ernten unsicherer. In Argentinien herrscht gerade eine heftige Dürre, die laut der Rosario Grain Exchange kritisch für die Maisernte werden könnte. In Russlands Wolga-Region gab es Anfang 2026 Winterkill-Schäden, weil fehlende Schneedecken die Pflanzen nicht vor Frost geschützt haben. Auch in den USA verschlechtert sich die Lage. In Nebraska etwa ist der Anteil der Winterweizenflächen mit guter bis ausgezeichneter Bewertung drastisch gesunken.

Dazu kommt eine mögliche Verschiebung im Klimamuster. Die World Meteorological Organization weist darauf hin, dass sich das System gerade von La Niña in eine neutrale Phase bewegt. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sich im Laufe des Jahres ein El Niño entwickelt. Historisch ging das oft mit ungünstigen Bedingungen für die Landwirtschaft der Nordhalbkugel einher. In den Jahren 1982, 1997 oder 2015 sah man ähnliche Übergänge, mehrfach mit schwierigen Anbausaisons.

Fazit

Steigende Energiepreise, außergewöhnlich starke Exportnachfrage und zunehmende Wetterrisiken wirken gerade gleichzeitig auf den Maismarkt. Historisch war genau diese Kombination oft der Auslöser für kräftige Preisbewegungen. Sollte sich diese Dynamik entfalten, könnte Mais vom bislang ruhigsten Agrarrohstoff zu einem der interessantesten Märkte der kommenden Monate werden. Wer mit dem Gedanken hadert, auf Nahrungsmittel zu spekulieren, dem sei gesagt, dass es auch andere Wege gibt, an steigenden Getreidepreisen zu partizipieren, ohne direkt auf Mais-Futures zu setzen. Und die ersten Schritte in diese Richtung laufen bereits vielversprechend.

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Miriam Kraus
Die selbstständige Finanzanalystin Miriam Kraus hat sich in den vergangenen 15 Jahren in der Branche einen Namen gemacht. Auftraggeber wie Banken und Investmentgesellschaften sind immer wieder beeindruckt von ihren akribisch recherchierten Berichten. Dabei hat sie sich weitreichende Börsenkenntnisse angeeignet, insbesondere in ihren Spezialgebieten Osteuropa-Aktien, Emerging Markets, Devisen- und Rohstoffmärkte.