Der Kupfermarkt liefert, was Anleger lieben – und fürchten: Dynamik. Ende Januar schoss der Preis an der London Metal Exchange (LME) auf ein neues Allzeithoch von 14.340 US$ je Tonne. Inzwischen notiert er wieder unter 13.000 US$.
Die große Frage lautet: Ist das nur eine gesunde Abkühlung in einem strukturellen Bullenmarkt – oder der Vorbote einer größeren Korrektur?
Rekordrally mit spekulativer Komponente
Fundamental spricht vieles für Kupfer. Doch kurzfristig wurde die jüngste Rally erneut stark von politischen Spekulationen und Lagerbewegungen getrieben.
Vor allem in den USA kam es zu massiven Vorratskäufen – aus Sorge vor möglichen Importzöllen. Große Mengen Metall wurden an die US-Börse COMEX geliefert. Das schürt kurzfristig Knappheitsängste, während die globalen Bestände insgesamt keineswegs auf extrem niedrigen Niveaus liegen.
Ein ähnliches Muster hatten wir bereits im August gesehen: Spekulative Käufe trieben den Preis schnell nach oben – gefolgt von einer deutlichen Korrektur.
Was, wenn sich die Zollspekulation erneut als überzogen erweist?
Dann könnte sich der aktuelle Lageraufbau als temporärer Sondereffekt entpuppen – mit entsprechendem Rückschlagspotenzial.
Warum der langfristige Investment-Case intakt bleibt
Trotz aller kurzfristigen Überhitzung bleibt das strukturelle Bild klar bullisch:
- Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet in den kommenden zehn Jahren ein massives strukturelles Defizit am Kupfermarkt.
- Die International Copper Study Group (ICSG) prognostiziert für 2026 wieder ein Angebotsdefizit – statt des zuvor erwarteten Überschusses.
- Sinkende Erzgehalte, steigende Investitionskosten und lange Projektlaufzeiten bremsen den Ausbau neuer Kapazitäten.
- Gleichzeitig wächst die Nachfrage strukturell weiter: Stromnetze, Elektromobilität, erneuerbare Energien – und vor allem der massive Ausbau globaler Rechenzentren.
Gerade der KI-Boom verschärft die Situation. Rechenzentren benötigen enorme Mengen Strom – und damit Leitungen, Transformatoren und Infrastruktur auf Kupferbasis.
Der Markt beginnt zu verstehen:
Ohne dauerhaft höhere Preise werden Investitionen in neue Minenkapazitäten nicht ausreichen.
Viele Experten gehen davon aus, dass Preise von deutlich über 12.000 US$ je Tonne nötig sind, um bestehende Kapazitäten zu sichern – und eher 15.000 US$, um neue Großprojekte wirtschaftlich zu machen.
Überhitzung trotz Bullenmarkt?
Genau hier liegt der Knackpunkt.
Der strukturelle Bullenmarkt ist intakt – aber kurzfristig zeigt der Markt typische Überhitzungssignale:
- Stark gestiegene US-Lagerbestände
- Hohe spekulative Positionierungen
- Überkaufte Aktien im Kupfersektor
- Rückgang des Preises nach dem Rekordhoch
Das spricht dafür, dass zwischenzeitliche Rücksetzer nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich sind.
Strategie: Gewinne sichern, Kernposition halten
Für langfristig orientierte Anleger bleibt Kupfer ein strategisches Basisthema. Doch nach der Rally bis 14.340 US$ ist es sinnvoll, selektiv Gewinne mitzunehmen – insbesondere bei stark gelaufenen Kupferproduzenten.
Wer investiert bleibt, sollte sich bewusst sein: Der Weg in Richtung neuer Hochs dürfte volatil bleiben.
Fazit
Kupfer bleibt einer der spannendsten Rohstoffmärkte des Jahrzehnts.Der strukturelle Nachfrageboom durch Elektrifizierung, Energiewende und KI ist real – und er wird nicht verschwinden.
Aber Märkte laufen nie linear. Nach dem explosiven Anstieg auf Rekordniveau steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Phase der Konsolidierung. Langfristig gilt: Der Bullenmarkt lebt. Kurzfristig gilt: Disziplin schlägt Euphorie.























