Kupfer läuft. Das ist meine erste Beobachtung, wenn ich auf die Charts der vergangenen 15 Monate schaue. Allein 2025 legte der Preis um 41 % zu, die CME-Futures schlossen das Jahr bei 5,68 US$ je Pfund. Im Januar 2026 ging es dann über die 6,00 US$ hinaus. Was ich hier sehe, hat wenig mit kurzfristigen Marktspekulationen zu tun. Es geht vielmehr um einen fundamentalen Umbau der Weltwirtschaft.
Elektrifizierung schafft Nachfrage ohne Alternative
Die Zahlen von S&P Global sprechen eine klare Sprache. Bis 2040 soll der Kupferbedarf auf 42 Mio. Tonnen klettern. Das sind 50 % mehr als heute. Haupttreiber ist der Strombedarf, der im gleichen Zeitraum um fast die Hälfte zunehmen dürfte.
Was mich persönlich überrascht, ist die Rolle der KI-Rechenzentren. Eine einzige Großanlage verschlingt 40.000 bis 50.000 Tonnen Kupfer. Elektrofahrzeuge brauchen drei- bis viermal so viel Kupfer wie konventionelle Autos. Hinzu kommt der Ausbau der Stromnetze, speziell für erneuerbare Energien. China nimmt dabei 60 % des weltweit raffinierten Kupfers auf. Mehr als 60 % des chinesischen Nachfragewachstums bis 2030 entfallen auf die Energieinfrastruktur.
Substitution ist praktisch ausgeschlossen. KI, E-Mobilität, Netze. Alles gleichzeitig. Chinesische Produktionsdaten und der Bau von Hyperscaler-Zentren in den USA sind für mich inzwischen bessere Frühindikatoren als jede Konjunkturprognose.
Das Angebot kommt nicht hinterher
J.P. Morgan rechnet 2026 mit einem Defizit von 330.000 Tonnen raffiniertem Kupfer. Das wäre die größte Lücke seit Jahren. Aus meiner Erfahrung ist das keine Überraschung. Die Erzgehalte sind auf unter 0,6 % gefallen, das ist die Hälfte des Niveaus von vor 25 Jahren. Bergbauunternehmen graben tiefer, verarbeiten mehr Gestein, aber die Ausbeute sinkt.
Neue Minen brauchen sieben bis zehn Jahre bis zur Produktion. Die Entdeckungsraten sind seit den 1990ern um 70 % eingebrochen. Wasserknappheit trifft 40 % der Produktionsregionen. Chile, Peru, Panama melden Streiks und Umweltauflagen. Das sind keine temporären Störungen, sondern strukturelle Probleme.
Die globalen Lagerbestände reichen für weniger als drei Wochen Verbrauch. Recycling deckt bestenfalls 32 % des Bedarfs. DBS Bank spricht von einem Defizit bis 316.000 Tonnen. Was mir dabei auffällt ist, dass die Branche das Problem seit Jahren kennt, aber die Investitionen fehlen. Das rächt sich jetzt.
Zölle und Politik machen den Preis nervös
Im August 2025 führten die USA einen Zoll von 50 % auf halbfertige Kupferprodukte ein. Die Importaufschläge schossen auf 1,30 US$ je Pfund. Für 2027 steht ein Zoll von 15 % auf alle Kupferimporte im Raum, 2028 könnten es 30 % werden.
Ich persönlich finde diese Zollpolitik riskant. Sie treibt die Preise kurzfristig nach oben, schafft aber Unsicherheit. Jede Ankündigung aus Washington kann die Preise explodieren lassen oder drücken. Die implizite Volatilität liegt aktuell über 31. Das spiegelt die Nervosität wider, die ich täglich am Markt beobachte.
Geopolitische Spannungen kommen hinzu. Was mich stutzig macht, ist die Unberechenbarkeit. Eine Entspannung kann Preise dynamisch drücken, eine neue Eskalation sie hochjagen. Wer hier investiert, muss Nerven haben.
Fazit
Die Fundamentaldaten stützen höhere Preise, doch politische Risiken sorgen für Volatilität in beide Richtungen. Für langfristig orientierte Investoren ergeben sich in diesem Umfeld große Chancen, um sich in Phasen von Rücksetzern perfekt zu positionieren. Wer diese Chancen ignoriert, könnte die nächste große Bewegung in einem der wichtigsten Industriemetalle verpassen.























