Kanada positioniert sich zunehmend als strategischer Player im globalen Markt für kritische Mineralien. Die Canadian Infrastructure Bank (CIB) unterstützt diese Ambition durch gezielte Investitionen in Bergbauprojekte und deren Infrastruktur. Ein Paradebeispiel ist die 55-Millionen-kanadische-Dollar-Finanzierung für das Strange-Lake-Projekt von Torngat Metals in Quebec, das künftig Seltenerdelemente für die globale Energiewende liefern soll.
## Milliardenoffensive für kritische Rohstoffe
Die CIB, mit einem Kapitalvolumen von 18 Milliarden kanadischen Dollar, konzentriert sich vermehrt auf kritische Mineralien statt auf Basismetalle und Gold. Für das Strange-Lake-Projekt könnte bereits im kommenden Jahr eine zweite Finanzierung von bis zu 500 Millionen kanadischen Dollar folgen. Das gesamte Projekt wird auf etwa 2 Milliarden kanadische Dollar Kapitalausgaben veranschlagt – ein Beleg für die politische Priorität dieses Sektors.
Diese Investitionsstrategie ist Teil einer koordinierten bundesweiten Offensive. Natural Resources Canada, Transport Canada und die Export Development Canada arbeiten eng zusammen, um Bergbauregionen zu erschließen und Mineralienprojekte voranzutreiben.
## Zwei Wege zur Finanzierung
Die CIB verfolgt eine duale Strategie: Sie finanziert zum einen direkt Minenentwickler und ihre Projekte. Zum anderen investiert sie in gemeinsame oder regionale Infrastruktur zusammen mit verschiedenen Regierungsebenen und indigenen Gemeinschaften, um Bergbauregionen überhaupt erst zugänglich zu machen.
Torngat Metals profitierte von dieser Herangehensweise, da das Strange-Lake-Projekt bereits fortgeschritten ist und erhebliche Infrastrukturinvestitionen erfordert. Das Projekt in Nunavik (Nordquébec) verfügt über global bedeutsame Vorkommen von Schwer- und Leichtseltenerdenelementen – insbesondere Dysprosium und Terbium. Die angestrebte Produktion beträgt 15.000 Tonnen Seltenerden pro Jahr.
## Finanzierungshürden und Lösungsansätze
Ein kürzlich veröffentlichter CIB-Bericht identifizierte zentrale Finanzierungshürden für kritische Mineralien: flache Fremd- und Eigenkapitalmärkte, mangelnde Vertrautheit von Finanziers mit Seltenerd-Projekten, fehlende transparente Marktpreise und mangelhafte Infrastruktur an abgelegenen Standorten. Hinzu kommt das wahrgenommene Risiko von Verzögerungen bei Genehmigungsverfahren.
Um diese Hürden zu überwinden, investiert die CIB gezielt in Infrastruktur, die Minen mit Verkehrs- und Stromnetzen verbindet. Beim Strange-Lake-Projekt bedeutet dies konkret den Bau einer etwa 170 Kilometer langen Zugangsstraße von der Grube zu Hafeneinrichtungen an der Labrador-Küste. Zusätzlich entwickelt die Bank Risikominderungsmodelle wie Differenzkontrakte, um Minenbesitzer vor niedrigen Metallpreisen zu schützen.
## Regionale Entwicklungszentren
Die CIB hat Absichtserklärungen mit Regierungen in Manitoba, British Columbia und Saguenay in Quebec unterzeichnet. In Nord-Manitoba finden Konsultationen mit indigenen Gemeinschaften statt, um notwendige Infrastrukturkombinationen zu klären. In British Columbias Golden Triangle nahe Alaska verfolgt die Bank ähnliche Ziele. In Saguenay unterstützt sie die Entwicklung eines Industriehubs zur Erzverhütung am Hafen.
## Flaggschiff Strange Lake
Das Strange-Lake-Projekt nimmt in dieser Strategie eine zentrale Rolle ein. Die kanadische Regierung stellte zusätzlich bis zu 10 Millionen kanadische Dollar für Infrastruktur-Vorarbeiten bereit. Der Umweltverträglichkeitsbericht soll bis 2025 eingereicht werden, mit Produktionsbeginn im Jahr 2028. Über 30 Jahre hinweg betrieben, soll das Projekt etwa 200 dauerhafte Arbeitsplätze plus 1.000 Baustellen-Jobs während der Konstruktionsphase schaffen.
## Chancen und offene Fragen
Mit ihrer neuen Strategie positioniert sich Kanada als ehrgeiziger Player in den globalen Lieferketten für kritische Mineralien. Seltenerdelemente sind für Elektromobilität, erneuerbare Energien, Elektronik und Verteidigungstechnologien unverzichtbar – ihre Kontrolle wird geopolitisch zunehmend bedeutsamer.
Kritisch zu beobachten bleibt jedoch, ob die angestrebten Zeitpläne eingehalten werden. Bergbauprojekte dieser Komplexität kämpfen häufig mit regulatorischen Verzögerungen und lokalen Akzeptanzproblemen. Trotzdem signalisiert die massive finanzielle Unterstützung und koordinierte Regierungsstrategie, dass Kanada diesen Kurs ernsthaft verfolgt und den Seltenerdenmarkt nicht länger China und seinen Verbündeten überlassen möchte.






















