Der Krieg im Nahen Osten dauert nun schon fast zwei Wochen. Auffällig ist, dass Edelmetalle anders als womöglich von den meisten Marktteilnehmern erwartet nicht von den Kämpfen profitieren.

Im Gegenteil: Der Goldpreis ist seit dem Ausbruch des Krieges am 28. Februar um -3,7% gesunken. Für den kleinen Bruder Silber ging es im selben Zeitraum sogar um fast -12% abwärts. Haben Gold und Silber ihren Status als „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten eingebüßt oder wie ist die schwache Performance zu erklären?

Hoher Ölpreis und Dollarstärke belasten

Die großen Gewinner der Krise sind der Ölpreis und der US-Dollar. Die beiden Rohölsorten Brent und WTI sind seit Kriegsbeginn um fast +38% bzw. gut +42% gestiegen. Gleichzeitig hat der militärische Konflikt zu einer deutlichen Aufwertung des US-Dollars geführt. Der DXY, der den US-Dollar ins Verhältnis zu einem Korb aus sechs Hauptwährungen setzt, ist in den letzten 10 Tagen um +2,6% gestiegen.

Und genau das sorgt für Gegenwind bei den Edelmetallen, da diese ebenfalls in US-Dollar gehandelt werden und somit für Käufer außerhalb der USA teurer in der Anschaffung werden.

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Was bedeutet das für die Zinsen?

Gleichzeitig sorgen die explodierenden Ölpreise durch die Sperrung in der Straße von Hormus für Aufwärtsrisiken bei der Inflation. Zumal die Teuerungsrate in den letzten Monaten ohnehin schon etwas angezogen hat.

Folgerichtig müssen die Erwartungen an Zinssenkungen weiter nach hinten verschoben werden. Manche Experten warnen sogar davor, dass die Zinsen wieder steigen könnten, sofern die Ölpreise längerfristig auf dem gegenwärtigen Niveau verbleiben.

Ein höheres Zinsniveau schmälert die Attraktivität von Anlagen wie Gold und Silber, da diese eben keine Zinsen abwerfen. Dementsprechend steigen die Opportunitätskosten beim Kauf der Edelmetalle.

Anleger machen Kasse

Schließlich dürften auch die Verluste bei anderen Assets dazu beitragen, dass Anleger bei ihren stark gelaufenen Gold- und Silberpositionen Gewinne realisieren, um Liquidität zu schaffen und anderswo die Löcher zu stopfen.

In diesem Spannungsfeld aus sinkenden Zinshoffnungen, Dollarstärke und Liquiditätsfrage befinden sich Gold und Silber derzeit auf Richtungssuche. Diese dürfte langfristig aber weiter nach oben führen.

Fundamental weiterhin stark

Denn sowohl Gold und Silber bleiben fundamental stark unterstützt. Im Jahr 2025 hat die Gesamtnachfrage nach Gold erstmals 5.000 Tonnen überstiegen. Während die Zentralbanken starke Käufer blieben, haben ETFs allein über 800 Tonnen absorbiert. Dazu erreichte die Nachfrage von Privatanlegern nach physischen Barren und Münzen neues Rekordniveau.

Und auch in 2026 ist die Nachfrage ungebrochen stark. Während Zentralbanken weiter massiv akkumulieren, verzeichnen auch Gold-ETFs weiterhin hohe Zuflüsse. Im Februar lagen die Zuflüsse netto bei 5,3 Milliarden US$.

Die geopolitische Lage, die Angst vor wirtschaftlichen Krisen und die hohe Verschuldung westlicher Staaten verstärken den Wunsch nach einem sicheren Hafen, den Gold und Silber weiterhin erfüllen.

Bei Silber kommt die industrielle Nachfrage als unterstützender Faktor hinzu, da das weiße Edelmetall in der Rüstungsindustrie, in der Solartechnik und in der Halbleiter- und Elektronikbranche unersetzlich ist und damit unmittelbar von der weltweiten Aufrüstung und Megatrends wie der Energiewende sowie dem KI- und Rechenzentrumsboom profitiert.

Fazit: Konsolidierung in einem intakten Bullenmarkt

Unterm Strich zeigt die aktuelle Marktreaktion vor allem eines: Auch vermeintlich sichere Häfen bewegen sich nicht isoliert, sondern im Spannungsfeld aus Zinsen, Währungen und globaler Liquidität. Kurzfristig sorgen ein starker US-Dollar, steigende Ölpreise und nach hinten verschobene Zinssenkungserwartungen für Gegenwind bei Gold und Silber.

Doch strukturell bleibt das Umfeld für Edelmetalle weiterhin ausgesprochen konstruktiv. Die aktuelle Schwächephase könnte sich daher weniger als Trendwende, sondern vielmehr als klassische Konsolidierung innerhalb eines übergeordneten Bullenmarktes erweisen.

Für langfristig orientierte Investoren eröffnet genau diese Phase möglicherweise die interessantesten Einstiegsgelegenheiten – bevor der nächste Impuls die Edelmetalle wieder nach oben treibt.

Alexander Hirschler
Alex ist studierter Betriebswirt. Er hat sich schon sehr früh für Finanzthemen interessiert und eine große Leidenschaft für die Börse entwickelt. Daraus ist eine Berufung geworden. Seit 2016 schreibt er fundierte Aktienanalysen mit dem Ziel, Anlegern eine Hilfestellung bei ihren Investmententscheidungen zu geben. Finde Alex auf Xing