Uran rückt zurück ins Rampenlicht

Die Rohstoffmärkte stehen vor einer neuen Phase – und Uran könnte dabei eine Schlüsselrolle spielen. Anfang April 2025 hatte US-Präsident Donald Trump erneut per Executive Order eingegriffen und Maßnahmen zur Stärkung der heimischen Produktion kritischer Rohstoffe angekündigt. Neben Kupfer und Gold wurde darin explizit auch Uran genannt – ein Rohstoff, der für die Energie- und Sicherheitsstrategie der USA immer wichtiger wird.

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Beschleunigte Genehmigungsverfahren, staatliche Finanzhilfen und sogar die Möglichkeit zur Unterstützung ausländischer Projekte sollen die Versorgung absichern. Auch wenn frühere Eingriffe dieser Art nur begrenzte Wirkung zeigten, dürfte die politische Signalwirkung diesmal erheblich sein: Uran rückt wieder ins Zentrum des Anlegerinteresses.

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Warum ein schneller Angebotsanstieg unrealistisch ist

So ambitioniert die politischen Ziele auch sind – die Realität der Rohstoffmärkte setzt klare Grenzen. Jahrelange Unterinvestitionen haben zu strukturell unterversorgten Märkten geführt. Neue Minen lassen sich nicht kurzfristig hochfahren, Genehmigungen, Finanzierung und Bau benötigen Zeit.

Gerade deshalb braucht der Bergbausektor vor allem Planungssicherheit, höhere und stabile Preise sowie frisches Kapital. Trumps Executive Order könnte genau hier ansetzen: weniger als unmittelbarer Produktions-Booster, sondern als Katalysator für Investorenkapital. Sollte dieses Kapital in den Markt fließen, stehen wir am Beginn einer neuen Rohstoff-Rallye – mit Uran als einem der größten Profiteure.

Uranmarkt: Steigende Nachfrage trifft auf massive Angebotsprobleme

Der Uranmarkt ist aktuell von mehreren strukturellen Faktoren geprägt:

  • Geopolitik: Das US-Verbot russischer Uranimporte bleibt bestehen und reißt eine Angebotslücke von rund 7 Mio. Pfund pro Jahr.
  • Produktion: Förderkürzungen – etwa durch Kazatomprom – verschärfen das Defizit.
  • Energiewende: Immer mehr Länder setzen auf Kernenergie als zuverlässige, CO₂-arme Grundlastquelle.
  • Politische Verpflichtungen: Auf der COP29 haben zahlreiche Staaten den Ausbau der Kernenergie bekräftigt.

Nach Schätzungen der World Nuclear Association wird die weltweite Uran-Nachfrage zwischen 2023 und 2030 um rund 25–30 % steigen. Um dieses Wachstum zu bedienen, wären deutliche Produktionsausweitungen nötig – doch genau diese sind kurzfristig kaum realisierbar.

Das erklärt auch den zunehmenden Trend zu Fusionen und Übernahmen, der 2024 begonnen hat und sich 2025 weiter beschleunigt hat.

Strategische Bedeutung Kanadas und steigender Ressourcennationalismus

Kanada gewinnt für die Versorgung der USA weiter an Bedeutung. Das Land verfügt über einige der hochwertigsten Uranlagerstätten weltweit und gilt als politisch stabiler Partner. Vor diesem Hintergrund ist auch die Öffnung der US-Förderprogramme für ausländische Projekte zu verstehen.

Gleichzeitig steigt der Ressourcennationalismus, insbesondere in Teilen Afrikas. Länder wie Niger oder Mali gestalten ihre Rohstoffsektoren neu, was Uranprojekte dort riskanter macht. Für Investoren spricht das klar für politisch sichere Jurisdiktionen.

Uranpreise: Der nächste Schub steht noch bevor

Der Uran-Spotpreis ist von seinem Hoch über 100 US$ pro Pfund in 2024 deutlich zurückgekommen, befindet sich seit Mitte März 2025 aber wieder in einer Aufwärtsbewegung.

Nichtsdestotrotz liegt der Preis weiterhin deutlich unter den langfristigen Vertrags- und Anreicherungspreisen. Diese Diskrepanz ist typisch für einen Markt, in dem sich ein strukturelles Defizit erst aufbaut.

Mit zunehmender Knappheit dürfte sich diese Lücke schließen. Viele Analysten rechnen in den kommenden Jahren mit einer Rückkehr des Spotpreises in den dreistelligen Bereich – langfristig sogar mit Niveaus von 150 bis 200 US$ pro Pfund.

Ein zentraler Preistreiber dabei: Künstliche Intelligenz.

KI als neuer Energiefresser – und Uran als Lösung

Weltweit gibt es schätzungsweise mittlerweile zwischen 10.500 bis über 12.000 aktive Rechenzentren, die für rund 2 % des globalen Stromverbrauchs stehen. Bis 2030 dürfte sich ihre Kapazität verdoppeln oder sogar verdreifachen. Der Energiebedarf von KI-Anwendungen explodiert – unabhängig von technologischen Effizienzgewinnen.

Große Tech-Konzerne haben bereits reagiert:

  • Microsoft schloss einen 20-jährigen Stromabnahmevertrag zur Reaktivierung von Three Mile Island.
  • Amazon Web Services (AWS) investiert hunderte Millionen US$ in neue Nuklearprojekte.
  • Google setzt auf kleine modulare Reaktoren (SMRs) und sicherte sich bis zu 500 MW CO₂-freien Strom.

Kernenergie wird damit zur strategischen Lösung für den KI-Boom – und Uran zum unverzichtbaren Rohstoff dahinter.

Fazit: Uran steht vor einem neuen Boom – und ist noch günstig

Der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren steigt rasant, während das Uranangebot strukturell begrenzt bleibt. Gleichzeitig sorgen geopolitische Spannungen, politische Förderprogramme und der KI-Boom für eine nachhaltige Nachfragesteigerung.

Mit einem erwarteten Angebotsdefizit von über 50 Mio. Pfund jährlich innerhalb der nächsten zehn Jahre spricht vieles für dauerhaft höhere Uranpreise. Die jüngsten Maßnahmen der US-Regierung verstärken diesen Trend, indem sie das Anlegerinteresse wieder gezielt auf kritische Rohstoffe lenken.

Der Uranmarkt bietet damit ein seltenes Setup: strukturelle Knappheit, politischer Rückenwind und starke Nachfrageimpulse. Für Investoren eröffnen sich – trotz der jüngsten Erholung – weiterhin attraktive Einstiegschancen in einem Sektor, der am Anfang eines neuen Zyklus stehen dürfte.

Alexander Hirschler
Alex ist studierter Betriebswirt. Er hat sich schon sehr früh für Finanzthemen interessiert und eine große Leidenschaft für die Börse entwickelt. Daraus ist eine Berufung geworden. Seit 2016 schreibt er fundierte Aktienanalysen mit dem Ziel, Anlegern eine Hilfestellung bei ihren Investmententscheidungen zu geben. Finde Alex auf Xing