Die Eskalation im Nahen Osten treibt die Ölpreise weiter nach oben. Am Donnerstag handelte Rohöl der Nordseesorte Brent im Hoch bei 87,74 US$ pro Barrel (159 Liter). Das für den amerikanischen Markt maßgebliche Rohöl der Referenzsorte WTI legt mit über +5 % noch stärker zu und steigt erstmals seit über einem Jahr über die Marke von 80 US$ je Barrel.
Ölpreis seit Jahresbeginn um fast +40 % gestiegen
Seit Beginn des Krieges ist Brent um mehr als +16 % und WTI sogar um annähernd +20 % gestiegen. Seit Jahresbeginn ging es für beide Rohölsorten sogar um knapp +40 % hinauf. Und der Preisdruck dürfte weiter bestehen bleiben.
Straße von Hormus im Fokus
Hauptsorge des Marktes ist derzeit die Situation in der Straße von Hormus, durch die rund 20 % des weltweiten Ölbedarfs transportiert werden. Der Iran reagiert auf die US-israelischen Angriffe mit wirtschaftlichem Druck und droht damit Öltanker in Brand zu setzen. Mit der Folge, dass der Schiffsverkehr quasi vollständig zum Erliegen gekommen ist.
Zuletzt meldeten die iranischen Revolutionsgarden einen Angriff auf einen Öltanker im Norden des Persischen Golfs, das in Flammen stehen soll. Gleichzeitig erneuerten sie ihre Drohung, auch Schiffe der USA, Israels, europäischer Staaten und ihrer Verbündeten anzugreifen, sofern diese versuchten, die Wasserstraße zu passieren.
Zwar hat US-Präsident den Öltankern Geleitschutz versprochen, auch durch die US-Marine, allerdings hat dies noch nicht zu einer Wiederbelebung des dortigen Schiffverkehrs geführt. Die faktische Blockade sorgt für Unterbrechungen der Rohöllieferungen aus dem Iran und anderer Produzenten am Persischen Golf und zwingt Förderländer dazu, ihre Produktion zu drosseln.
Händler zahlen Risikoprämie
Analysten von Goldman Sachs schätzen, dass Händler derzeit einen Aufschlag von etwa 14 US$ pro Barrel allein zur Absicherung gegen die Konfliktrisiken bezahlen.
So kann es nun weitergehen
Die weiteren Aussichten hängen entscheidend davon ab, wie lange sich der militärische Konflikt hinzieht und die faktische Blockade der Straße von Hormus bestehen bleibt. Sollte dieser nach wenigen Wochen vorüber sein, dürften sich die Ölpreise nach Einschätzung von Experten schnell wieder stabilisieren. Goldman Sachs hat die Prognose für das 2. Quartal vorsorglich um 10 US$ auf 76 US$ (Brent) und 71 US$ (WTI) angehoben.
Kritisch wird es, wenn der Konflikt Monate andauert oder sogar noch weiter eskaliert. Die Experten von Bernstein Research prognostizieren, dass bei einer dauerhaften Blockade der Straße von Hormus oder einer Ausweitung auf regionale Förderanlagen (z.B. in Saudi-Arabien) Ölpreise von 100 bis 150 US$ möglich seien.
Dies hätte erhebliche wirtschaftliche Folgen und könnte aufgrund der Inflation unweigerlich in einer globalen Rezession münden.
Die Folgen für Deutschland
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kommt in einer Modellrechnung zu dem Ergebnis, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 0,3 % und im kommenden Jahr um 0,6 % geringer ausfallen würde, falls Brent auf 100 US$ steigt.
Dies würde einen Anstieg der Verbraucherpreise um 0,8 % in 2026 und um 1,0% in 2027 zur Folge haben. Den daraus resultierenden gesamtwirtschaftliche Leistung beziffert das Institut auf real rund 40 Milliarden € über den Zeitraum von zwei Jahren.
Noch dramatischer stellt sich die Lage bei Ölpreisen von 150 US$ dar, denn dies würde das 2026er-BIP um 0,5 % und das 2027er-BIP um 1,3 % drücken. Daraus würde sich ein kumulierter Verlust an Wirtschaftsleistung von real über 80 Milliarden € ergeben. Die Teuerungsraten dürften in diesem Fall um 1,6 % (2026) und 1,9 % (2027) höher liegen.
Fazit
Der Ölmarkt ist derzeit weniger von Angebot und Nachfrage als von Geopolitik getrieben. Solange die Lage rund um die Straße von Hormus angespannt bleibt, dürfte eine erhebliche Risikoprämie im Preis enthalten bleiben.
Für Anleger und die Weltwirtschaft wird daher entscheidend sein, ob sich der Konflikt in den kommenden Wochen beruhigt oder weiter eskaliert. Ein schneller diplomatischer Durchbruch könnte die Preise ebenso rasch wieder drücken, wie sie zuletzt gestiegen sind.
Bleibt die Blockade jedoch bestehen oder weitet sich der Konflikt sogar auf weitere Förderländer aus, könnten dreistellige Ölpreise schneller Realität werden, als viele derzeit erwarten. In diesem Fall droht nicht nur ein neuer Inflationsschub – sondern auch ein ernsthafter Belastungstest für die globale Konjunktur.
Der Ölmarkt ist damit einmal mehr zum Seismografen der Weltpolitik geworden – und die Ausschläge werden aktuell immer heftiger.























