Vom KI-Boom zur Rohstofffrage
Ich möchte meinen Gedankengang mit einer unbequemen Frage eröffnen:
Stecken KI-Aktien – und womöglich auch die massiven Investitionen in ihre Infrastruktur – bereits in einer Blase?
Bei vielen KI-Aktien lässt sich diese Frage angesichts teils extremer Bewertungen kaum noch verneinen. Doch wie steht es um die zweite Reihe des KI-Booms: Rechenzentren, Halbleiter, Server, Energieversorgung? Auch hier explodieren die Investitionen – und damit wächst das Risiko von Fehlallokationen.
Ein Warnsignal ist die zunehmend „kreative“ Finanzierung innerhalb der Branche. Jüngste Beispiele zeigen zirkuläre Geldströme zwischen großen KI-Playern, bei denen Investitionen, Umsätze und Bewertungen gegenseitig befeuert werden. Solche Strukturen sind typisch für späte Phasen eines Booms.
Die entscheidende Frage lautet daher:
Würde ein Platzen einer möglichen KI-Blase auch den Rohstoff-Bullenmarkt beenden?
Meine Antwort ist klar: Nein.
Warum der Rohstoff-Bullenmarkt auch ohne KI weiterläuft
Selbst bei einer deutlichen Korrektur im KI-Sektor sprechen mehrere starke Argumente dafür, dass Rohstoffe – insbesondere Gold – strukturell weiter Rückenwind erhalten:
- Verzögerungseffekte bei der Nachfrage
Der Ausbau der KI-Infrastruktur ist real und weit fortgeschritten. Rechenzentren, Energienetze und Produktionskapazitäten befinden sich im Bau oder in Planung. Diese Projekte sichern die Rohstoffnachfrage noch für Jahre – unabhängig von kurzfristigen Aktienkursen. - Globale Infrastrukturprogramme
Weltweit besteht massiver Investitionsbedarf: alternde Infrastruktur, Wiederaufbauprojekte (Ukraine, Nahost) sowie Großprojekte wie Chinas Wasserkraftausbau treiben den Rohstoffverbrauch langfristig. - Deglobalisierung verteuert Rohstoffe
Zölle, Handelsbeschränkungen und der Trend zur lokalen Produktion machen Rohstoffe knapper und teurer. Neue Minen entstehen nicht über Nacht – ihr Bau verschlingt selbst enorme Mengen an Metallen und Energie. - Fiskalische Expansion & schwächerer Dollar
Steigende Staatsausgaben, hohe Verschuldung und ein strukturell schwächerer US-Dollar erhöhen sowohl die reale als auch die spekulative Nachfrage nach Rohstoffen als Inflationsschutz. - Energiewende bleibt global intakt
Auch wenn die Förderung erneuerbarer Energien in den USA zeitweise stockt: global – vor allem in China – wird weiter massiv investiert. Das stützt die Nachfrage nach Kupfer, Silber, Zinn & Co. - Gold als Vorläufer eines breiten Rohstoff-Bullenmarkts
Historisch gilt: Große Rohstoff-Haussephasen beginnen mit Gold. Genau das erleben wir derzeit.
Gold: Strukturelle Treiber für eine mehrjährige Hausse
Gold hat in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Outperformance gegenüber dem S&P 500 erzielt – ein Muster, das stark an die Phase 2001–2011 erinnert. Auch damals verlief der Anstieg nicht linear, sondern in Wellen: starke Rallyes, gefolgt von gesunden Korrekturen.
Die jüngste Schwächephase war genau eine solche „Verdauung“.
Und sie ist inzwischen beendet: Gold hat die Konsolidierung abgeschlossen und neue Allzeithochs erreicht.
Ein Blick auf die Langfristdaten zeigt:
- Der Großteil der Kursgewinne entfiel auf die letzten Jahre
- Goldminen haben den Goldpreis zuletzt klar übertroffen
- Die Gold-/S&P-500-Ratio signalisiert einen beginnenden strukturellen Trend zugunsten von Gold
Warum Gold heute stärker ist als früher
Mehrere Kräfte wirken gleichzeitig:
- Zentralbanken stocken ihre Goldreserven weiter auf – allen voran China
- Vertrauensverlust in Staatsanleihen als „sichere Anlage“
- Geopolitische Fragmentierung und Währungsdiversifikation
- Starke physische Nachfrage aus Asien, insbesondere von Privatanlegern
Hinzu kommen drei klassische Treiber, die zuletzt wieder an Bedeutung gewinnen:
Zinssenkungen: Sinkende Zinsen reduzieren die Opportunitätskosten von Gold.
Schwächerer US-Dollar: Gold wird international günstiger und attraktiver.
Inflationäres Umfeld: Historisch eines der besten Szenarien für Gold.
Warum die jüngste Korrektur gesund war
Nach dem steilen, spekulativ getriebenen Anstieg war eine Gegenbewegung überfällig. Sie hat kurzfristig überhitzte Positionen bereinigt – ohne die fundamentale Nachfrage zu beschädigen.
Wichtig ist:
- ETF-Bestände liegen noch deutlich unter früheren Hochs
- Viele Investoren sind weiterhin unterinvestiert
- Rücksetzer werden zunehmend als Einstieg genutzt
Genau deshalb blieb der Verkaufsdruck begrenzt – und genau deshalb konnte Gold inzwischen wieder auf neue Rekordstände ausbrechen.
Fazit: Die Gold-Rallye steht nicht vor dem Ende – sie beginnt erst richtig
Der Goldmarkt hat seine erste Etappe abgeschlossen. Die jüngste Korrektur war kein Warnsignal, sondern ein notwendiger Zwischenschritt innerhalb eines übergeordneten Bullenmarkts.
Gold ist:
- strukturell untergewichtet
- fundamental gut unterstützt
- historisch nicht überteuert im Vergleich zu Aktien
Echte Markttops entstehen nicht, solange ein Großteil der Anleger noch zweifelt.
Und genau das ist aktuell der Fall.
Die Rallye ist nicht überhitzt – sie ist reif für die nächste Phase.
Wir bleiben daher klar positioniert und sehen Rücksetzer weiterhin als strategische Kaufgelegenheiten in einem mehrjährigen Aufwärtstrend.























